Gin · Grüner Chartreuse · Maraschino · Limette
Kräuterig. Sauer. Trocken. Komplex. Ein Cocktail mit dem gewissen Biss.
Der Last Word ist einer dieser Drinks, die auf dem Papier zunächst etwas merkwürdig wirken: Gin, ein intensiv kräuteriger Likör, Maraschino und Limettensaft – und davon auch noch jeweils gleich viel.
In Kombination ergibt das allerdings einen der eigenständigsten klassischen Cocktails überhaupt.
FLAVOUR TAGS
HERBAL · TART · DRY · BOTANICAL · CHERRY · COMPLEX
Cocktail-Charakter
Säure ●●●●●
Süße ●●○○○
Kräuter ●●●●●
Frucht ●●●○○
Alkohol ●●●●○
Komplexität ●●●●●
Stil: Classic · Sour · Equal Parts
Spirituose: Gin
Gelegenheit: Before Dinner

Last Word – Das Rezept
| Zutat | Menge |
| Gin | 20 ml |
| Grüner Chartreuse | 20 ml |
| Maraschino | 20 ml |
| frischer Limettensaft | 20 ml |
Zubereitung
Ein Cocktailglas gut vorkühlen.
Gin, Grünen Chartreuse, Maraschino und frisch gepressten Limettensaft zusammen mit reichlich Eis in einen Shaker geben.
Kräftig shaken, bis der Drink sehr kalt ist.
In das vorgekühlte Glas abseihen und ohne Eis servieren.
Garnitur
Eine Maraschino-Kirsche ist klassisch und passt geschmacklich gut. Sie ist aber kein Muss.
TIPP
Beim Last Word nicht am Eis und nicht am Shake sparen.
Der Drink wird ohne Eis serviert. Deshalb muss die Temperatur bereits beim Shaken stimmen. Gleichzeitig braucht der Last Word etwas Verdünnung, damit Chartreuse und Maraschino nicht zu dominant werden.
Wie schmeckt der Last Word?
Der Last Word ist kein leichter, fruchtiger Gin-Cocktail.
Er beginnt mit einer deutlichen Limettensäure, dahinter kommen die Kräuter- und Gewürznoten des Grünen Chartreuse. Der Maraschino sorgt für Süße und eine charakteristische dunkle Fruchtnote, während der Gin dem Ganzen Struktur und einen trockenen Abschluss gibt.
Das Spannende ist dabei die Balance:
sauer → kräuterig → leicht süß → trocken
Der Drink schmeckt intensiv, aber nicht schwer. Er ist gleichzeitig frisch und kräftig, grün und fruchtig, süß und trocken.
Oder kurz:
Der Last Word ist ein Cocktail mit Ecken und Kanten – und genau deshalb funktioniert er.
Das Flavor-Profil
LAST WORD
Fresh ●●●●○
Dry ●●●●○
Sweet ●●○○○
Sour ●●●●●
Herbal ●●●●●
Fruity ●●●○○
Boozy ●●●●○
Complex ●●●●●
Geschmacksschwerpunkt
| HERBAL | <───────────●─> | CITRUS |
| DRY | <──────●──────> | SWEET |
| LIGHT | <──────────●──> | INTENSE |
Warum ich den Last Word mag
Hat man sich einmal dafür entschieden, einen Grünen Chartreuse in die Hausbar aufzunehmen, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage, was man damit eigentlich alles anstellen kann.
Natürlich denke ich dabei an den Beuser & Angus Special, für den der Chartreuse ursprünglich angeschafft wurde.
Aber da muss noch mehr gehen.
Und tatsächlich gibt es einen Drink, der auf sehr ähnlichen Zutaten basiert und trotzdem völlig anders wirkt.
Der Last Word ist nicht so weich und cremig wie sein Verwandter. Er ist direkter, kantiger und deutlich saurer. Vor allem ist er kein Cocktail für Menschen, die ihren Drink am liebsten nach Fruchtsaft schmecken lassen.
Mich reizt genau das.
Vier Zutaten. Jeweils gleich viel. Ein kurzer Blick auf die Zutatenliste lässt kaum vermuten, wie viel Geschmack daraus entstehen kann.
Der Last Word ist ein Drink, bei dem Einfachheit und Komplexität erstaunlich nah beieinanderliegen.
Warum funktioniert dieser Cocktail?
1. Das Equal-Parts-Prinzip
Der vielleicht auffälligste Punkt des Last Word ist seine 1:1:1:1-Rezeptur.
Gin, Chartreuse, Maraschino und Limette werden zu gleichen Teilen verwendet. Die bekannte historische Rezeptur ist genau für dieses Verhältnis bekannt; auch moderne Standardrezepturen arbeiten mit gleichen Mengen.
Das macht den Drink ungewöhnlich einfach zu merken – aber keineswegs einfach im Geschmack.
2. Grüner Chartreuse
Der Grüne Chartreuse ist der aromatische Mittelpunkt des Drinks.
Er bringt intensive Kräuter-, Gewürz- und Pflanzennoten mit. Im Last Word wird daraus aber kein schwerer Kräuterlikör-Cocktail, weil die Limette dagegenhält.
3. Maraschino
Maraschino liefert die notwendige Süße.
Dabei schmeckt er nicht einfach wie Kirschsirup. Seine charakteristische Frucht- und Mandelnote gibt dem Cocktail eine zusätzliche aromatische Ebene.
4. Limette
Die Limette ist der Gegenspieler.
Ihre kräftige Säure verhindert, dass Gin, Chartreuse und Maraschino zusammen zu schwer werden.
5. Gin
Der Gin bildet das Rückgrat.
Er bringt trockene Wacholdernoten und weitere Botanicals ein und verbindet die Kräuter des Chartreuse mit der Säure der Limette.
Welche Zutaten würde ich verwenden?
Gin
Für den Last Word würde ich einen klassischen, trockenen Gin bevorzugen.
Ein sehr stark floraler oder ungewöhnlich fruchtiger Gin kann schnell mit dem ohnehin schon aromatisch dominanten Chartreuse konkurrieren.
Ein guter London Dry ist deshalb ein hervorragender Ausgangspunkt.
Mein Prinzip:
Je komplexer der Chartreuse, desto zurückhaltender darf der Gin sein.
Grüner Chartreuse
Hier würde ich möglichst Grünen Chartreuse verwenden.
Er ist kein Bestandteil, den man einfach durch irgendeinen Kräuterlikör ersetzen sollte, wenn man den klassischen Charakter des Last Word sucht.
Und genau deshalb ist der Last Word auch ein guter Cocktail, um herauszufinden, ob man Chartreuse eigentlich mag.
Maraschino
Beim Maraschino lohnt sich ebenfalls ein vernünftiges Produkt.
Wichtig ist: Maraschino-Likör ist nicht dasselbe wie süßer Kirschlikör.
Die charakteristische trockene, leicht nussige Fruchtnote ist ein wesentlicher Bestandteil des Drinks.
Die Geschichte des Last Word
Vom Detroit Athletic Club nach Seattle
Die Geschichte des Last Word ist fast so interessant wie der Cocktail selbst.
Die früheste bekannte schriftliche Spur führt nach Detroit: Auf einer Souvenir-Getränkekarte des Detroit Athletic Club von 1916 ist der Last Word bereits aufgeführt. Ein Rezept findet sich dort allerdings nicht. Der Cocktail kostete 35 Cent und war damit einer der teureren Drinks auf der Karte.
1916 – Detroit Athletic Club
Der Last Word erscheint auf einer Getränkekarte.
1951 – Ted Saucier – Bottoms Up!
Saucier veröffentlicht eine Rezeptur und schreibt sie dem Detroit Athletic Club zu. Dabei erwähnt er den Vaudeville-Künstler Frank Fogarty als jemanden, der den Drink dort eingeführt haben soll. Die tatsächliche Rolle Fogartys ist allerdings nicht eindeutig belegt.
Jahrzehnte der Vergessenheit
Der Cocktail verschwindet weitgehend aus der Barszene.
2003 – Seattle
Der Barkeeper Murray Stenson entdeckt die Rezeptur in Sauciers Buch und nimmt den Drink im Zig Zag Café wieder auf. Von dort aus beginnt die zweite Karriere des Last Word.
Heute
Aus einem beinahe vergessenen Cocktail wird ein moderner Klassiker.
Das eigentlich Faszinierende am Last Word
Der Last Word ist damit ein schönes Beispiel dafür, wie Cocktailgeschichte funktioniert.
Ein Drink wird erfunden oder entwickelt, verschwindet irgendwann aus den Bars, überlebt nur in einem alten Buch – und wird Jahrzehnte später von jemandem wiederentdeckt.
Beim Last Word kam noch etwas hinzu:
Die Rezeptur war ungewöhnlich genug, um sofort Aufmerksamkeit zu bekommen.
Gin + Chartreuse + Maraschino + Limette klingt zunächst nicht unbedingt nach einer offensichtlichen Kombination.
Aber genau diese vier Zutaten funktionieren erstaunlich gut zusammen.
Ein Cocktail – vier Zutaten – unzählige Möglichkeiten
Varianten des Last Word
Der Last Word hat durch seine klare Struktur geradezu dazu eingeladen, mit einzelnen Bestandteilen zu experimentieren.
Final Ward
Rye Whiskey statt Gin · Zitrone statt Limette
Der Final Ward ist dadurch würziger, wärmer und whiskeylastiger.
→ [Final Ward – Rezept]
Das passt besonders gut zu Lesern, die den Last Word interessant finden, aber lieber Whiskey als Gin trinken.
Last of the Oaxacans – Mezcal statt Gin
Hier wird der Cocktail rauchiger und erdiger.
Das Grundprinzip bleibt erkennbar, aber der Charakter verändert sich radikal.
→ [Last of the Oaxacans – Rezept]
Dernier Mot – Rhum Agricole statt Gin
Eine weitere spannende Abwandlung des Grundprinzips.
→ [Dernier Mot – Rezept]
Wenn Dir der Last Word gefällt …
🌿 Du magst Kräuter und komplexe Aromen?
→ Beuser & Angus Special
Ein enger Verwandter und der Drink, der bei Dir überhaupt erst zur Anschaffung des Chartreuse geführt hat.
→ Tipperary
Whiskey, Chartreuse und Vermouth – kräuterig, komplex und deutlich anders als der Last Word.
→ La Louisiane
Ein weiterer Klassiker, bei dem Kräuter und Würze eine wichtige Rolle spielen.
🍋 Du magst saure Cocktails?
→ Daiquiri
Weniger komplex, aber mit derselben kompromisslosen Kombination aus Spirituose, Süße und Limette.
→ Whiskey Sour
Die Whiskey-Variante für alle, die es etwas klassischer und zugänglicher mögen.
🥃 Du möchtest den Last Word mit Whiskey erleben?
→ Final Ward
Der offensichtlichste nächste Schritt.
→ Vieux Carré
Deutlich komplexer, würziger und kräftiger.
→ Manhattan
Wenn Du den trockenen, alkoholischen Charakter weiterverfolgen möchtest.
Mein Urteil
Last Word
★★★★★
Ein moderner Klassiker, der seine Wiederentdeckung verdient hat.
Der Last Word ist einer dieser seltenen Cocktails, bei denen die Rezeptur fast zu simpel aussieht, um interessant zu sein.
Vier Zutaten.
Gleiche Mengen.
Shaken.
Abseihen.
Fertig.
Und trotzdem steckt erstaunlich viel darin.
Die Limette sorgt für den nötigen Druck, der Chartreuse für die Kräuter, der Maraschino für Tiefe und Süße und der Gin hält alles zusammen.
Für mich ist der Last Word deshalb weniger ein „einfacher Cocktail“ als ein perfektes Beispiel dafür, wie weit man mit vier guten Zutaten kommen kann.
Cocktail Discovery
ENTDECKE DEN LAST WORD
Spirituose
GIN
Stil
CLASSIC · SOUR
Geschmack
HERBAL · TART · DRY · BOTANICAL
Intensität ★★★★☆
Süße ★★☆☆☆
Säure ★★★★★
Kräuter ★★★★★
Gelegenheit
BEFORE DINNER
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