Schokolade · Rauch · Orange · Whisky
Dunkel. Rauchig. Schokoladig. Intensiv. Ein ungewöhnlicher Cocktail, der überraschend gut funktioniert.
Der Vienna in Ashes ist kein Cocktail, bei dem man beim ersten Lesen der Zutatenliste automatisch denkt: Das muss ich unbedingt ausprobieren.
Schokolikör.
Rauchiger Whisky.
Orangenlikör.
Das klingt zunächst eher nach einem Experiment als nach einem ausgewogenen Cocktail.
Aber er wurde mir seinerzeit empohlen, als ich dabei war, mir verschiedene Geschmackswelten zu erarbeiten.
Der dunkle Mozart Chocolate Liqueur bringt intensive Kakao- und Schokoladennoten. Der rauchige Whisky setzt einen trockenen, torfigen Kontrapunkt. Grand Marnier bringt Orange und gerade genug Frische, um die Kombination zusammenzuhalten.
Das Ergebnis ist ein dunkler, kräftiger und ungewöhnlich aromatischer Drink, bei dem Süße, Schokolade und Rauch erstaunlich gut miteinander funktionieren.
Der Name ist dabei Programm: Wien trifft auf Asche – flüssig, dunkel und rauchig.
FLAVOUR TAGS
CHOCOLATE · SMOKY · ORANGE · RICH · BITTERSWEET · BOOZY
Cocktail-Charakter
Süße ●●●●○
Säure ●○○○○
Schokolade ●●●●●
Rauch ●●●●●
Orange ●●●○○
Alkohol ●●●●○
Komplexität ●●●●○
Stil: Modern Classic · Spirit Forward · Old Fashioned Twist
Spirituose: Whisky
Gelegenheit: Digestif · After Dinner · Winterabend

Vienna in Ashes – Das Rezept
| Zutaten | Menge |
| Mozart Dark Chocolate Liqueur | 50 ml |
| Grand Marnier | 20 ml |
| rauchiger Islay Whisky | 15 ml |
| Eis | reichlich |
| Orangenzeste | 1 |
Zubereitung
Ein Tumbler oder Rocks Glass vorkühlen.
Mozart Dark Chocolate, Grand Marnier und den rauchigen Whisky in ein Rührglas geben.
Reichlich Eis hinzufügen und den Drink kalt rühren.
Anschließend in einen mit frischem Eis gefüllten Tumbler abseihen.
Eine Orangenzeste über dem Drink ausdrücken und damit garnieren.
Fertig.
Garnitur
Orangenzeste
Mehr braucht dieser Drink nicht.
Die Orangenzeste ist allerdings mehr als reine Dekoration: Ihre ätherischen Öle bringen genau die frische Zitrusnote mit, die der dunklen Kombination aus Schokolade und Rauch etwas Leichtigkeit gibt.
TIPP
Beim Whisky darf es ruhig rauchen.
Aber man muss aufpassen, damit die Balance von Süße und Rauch weiterhin stimmt. Ich arbeite meist mit einem Laphroaig, vor allem einem Quartercask. In einem Gasthof, in dem ich häufig zu Gast war, haben wir aber auch mit etwas anderem experimentiert: einem Ardbeg 10, in Verbindung mit hausgemachtem Orangenzucker aus der Konfiserie. Das war großartig.
Wie schmeckt der Vienna in Ashes?
Der erste Eindruck ist dunkel und süß.
Schokolade.
Dann kommt der Rauch.
Und anschließend die Orange.
Der Mozart Dark Chocolate bringt eine intensive, fast schon dunkle Kakaonote in den Drink. Der Whisky setzt dagegen trockenen Rauch, Torf und etwas Wärme. Der Grand Marnier verbindet beide Seiten miteinander und sorgt für eine fruchtige Orangennote.
Das Interessante ist deshalb weniger eine einzelne Zutat als der Kontrast:
schokoladig → rauchig → orangig
Der Vienna in Ashes ist kein leichter oder besonders erfrischender Cocktail.
Er ist intensiv, weich, dunkel und ziemlich kräftig.
Wenn Du Cocktails magst, die eher in Richtung Dessert, Digestif oder Spirit-Forward-Drink gehen, ist er wesentlich interessanter, als die ungewöhnliche Zutatenliste zunächst vermuten lässt.
Und genau das war auch der Grund, warum ich ihn ursprünglich auf meine Cocktail-Liste gesetzt habe.
Das Flavor-Profil
VIENNA IN ASHES
Fresh ●●○○○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●●○
Sour ●○○○○
Herbal ●○○○○
Fruity ●●●○○
Smoky ●●●●●
Chocolate ●●●●●
Boozy ●●●●○
Complex ●●●●○
Geschmacksschwerpunkt
| SMOKY | <────────●────────> | CHOCOLATE |
| DRY | <──────────●──────> | SWEET |
| LIGHT | <────────────●────> | INTENSE |
| FRESH | <─────────────●───> | RICH |
Warum ich den Vienna in Ashes mag
Der Vienna in Ashes gehört zu den Cocktails, bei denen ich beim ersten Lesen des Rezepts nicht unbedingt darauf gekommen wäre, ihn selbst zu mischen.
Schokolade und Whisky? Klar.
Aber dann auch noch Grand Marnier?
Und vor allem: rauchiger Whisky und Schokoladenlikör?
Das klingt zunächst ziemlich absurd.
Tatsächlich funktioniert es aber erstaunlich gut.
Ich mag vor allem diesen Moment, wenn der Drink zunächst weich und schokoladig wirkt und dann der Rauch des Whiskys auftaucht.
Genau dieser Gegensatz macht ihn interessant.
Meine ursprüngliche Begeisterung für den Drink hatte dabei auch mit der Wahl des Whiskys zu tun: Ich mag eher trockene, kräftig rauchige Islay-Whiskys wie Ardbeg oder Lagavulin. Für den Vienna in Ashes funktioniert aber gerade ein Laphroaig ausgesprochen gut.
Und vielleicht ist das auch die eigentliche Idee des Drinks:
Er versucht nicht, Schokolade und Whisky möglichst harmonisch miteinander zu verstecken. Er stellt die Gegensätze nebeneinander.
Süße gegen Rauch.
Schokolade gegen Torf.
Orange gegen die dunklen Aromen.
Warum funktioniert dieser Cocktail?
1. Schokolade und Rauch
Das ist die eigentliche Idee hinter dem Vienna in Ashes.
Der Mozart Dark Chocolate bringt Süße und intensive Kakaonoten. Der rauchige Whisky liefert den Gegenpol.
Ohne den Rauch wäre der Drink deutlich näher an einem Dessertcocktail.
Mit ihm bekommt er Tiefe und Spannung.
2. Die Orange
Grand Marnier wirkt hier nicht einfach als zusätzlicher Likör.
Die Orange ist wichtig, weil sie den Drink aus seiner dunklen, schweren Aromatik herausholt.
Sie bringt Frucht und Zitrusnoten, ohne die Schokolade zu verdrängen.
Noch wichtiger ist die Orangenzeste am Ende.
Beim Ausdrücken landen die ätherischen Öle auf der Oberfläche des Drinks – und genau diese erste Orangennote bekommt man beim Ansetzen des Glases mit.
3. Der Mozart Dark Chocolate
Der Schokoladenlikör ist hier nicht irgendeine süße Komponente.
Er ist die Basis des Drinks.
Deshalb würde ich bei diesem Cocktail nicht versuchen, ihn durch einen beliebigen Schokoladenlikör zu ersetzen.
Der Vienna in Ashes braucht diese dunkle, intensive Schokoladenrichtung.
Das ist einer der Punkte, an denen die ungewöhnliche Rezeptur tatsächlich Sinn ergibt.
4. Der Whisky
Hier entscheidet sich, wie dramatisch der Drink wird.
Ein milder Whisky macht den Vienna in Ashes deutlich zugänglicher, aber auch flacher.
Ein kräftiger Islay bringt dagegen Rauch, Torf und maritime Noten ins Spiel.
Meine Wahl wäre deshalb weiterhin ein rauchiger Islay Whisky.
Die Geschichte des Vienna in Ashes
Von Hamburg nach Wien – und zurück
Der Vienna in Ashes ist kein historischer Klassiker aus dem 19. Jahrhundert.
Er gehört zu einer wesentlich jüngeren Generation von Cocktails.
Entwickelt wurde der Drink von Philip Bischoff, der unter anderem in Hamburgs Le Lion gearbeitet hat und später als Barchef der Manhattan Bar in Singapur tätig war.
Die Idee dahinter
Der Vienna in Ashes ist im Grunde eine Art verdrehter Old Fashioned:
Eine süße, aromatisch intensive Basis.
Dazu eine kräftige Spirituose.
Und eine kleine Menge Orange, die das Ganze aromatisch öffnet.
Nur dass hier eben nicht Whiskey und Zucker die klassische Kombination bilden.
Stattdessen übernimmt der Schokoladenlikör einen großen Teil der süßen und aromatischen Basis.
Und der Rauch kommt vom Whisky.
Das Ergebnis ist wesentlich moderner – und deutlich ungewöhnlicher.
Das eigentlich Faszinierende am Vienna in Ashes
Man könnte den Cocktail leicht als Schokoladen-Whisky-Drink abtun.
Das würde ihm allerdings nicht gerecht.
Denn der Reiz liegt gerade darin, dass keine der Komponenten völlig dominant werden soll.
Die Schokolade macht den Drink weich.
Der Rauch macht ihn trocken und erwachsen.
Die Orange sorgt für Frische.
Und der Whisky bringt Alkohol, Wärme und Tiefe.
Dadurch entsteht ein Cocktail, der gleichzeitig süß und trocken, weich und rauchig, vertraut und ziemlich ungewöhnlich wirkt.
Ein Cocktail – viele Möglichkeiten
Vienna in Ashes Varianten
Beim Vienna in Ashes würde ich – ähnlich wie beim Last Word – nicht künstlich zehn Varianten konstruieren.
Die ursprüngliche Kombination ist gerade wegen ihrer Einfachheit interessant.
Mehr Rauch
Wenn Du den Drink kräftiger möchtest, kannst Du einen stärker getorften Islay Whisky verwenden.
Das verändert den Charakter deutlich, ohne die Grundidee des Cocktails zu verändern.
Weniger süß
Wer Schokoladenlikör grundsätzlich etwas zu süß findet, kann den Anteil des Whisky leicht erhöhen.
Ich würde dabei allerdings vorsichtig vorgehen.
Der Whisky soll den Schokoladenlikör kontrastieren – nicht den gesamten Drink übernehmen.
Eine andere Orange
Auch beim Orangenlikör lässt sich experimentieren.
Grand Marnier bringt eine relativ runde, warme Orangennote.
Ein trockenerer Curaçao würde den Drink etwas weniger weich wirken lassen.
Die Grundidee bleibt aber immer dieselbe:
Schokolade + Rauch + Orange.
Wenn Dir der Vienna in Ashes gefällt …
🥃 Du magst kräftige Whisky-Cocktails?
→ Manhattan
Würziger, trockener und klassischer – aber ebenfalls ein intensiver, spirit-forward Drink.
→ Sazerac
Noch trockener und deutlich alkoholischer, mit einer ganz anderen aromatischen Tiefe.
→ Vieux Carré
Wenn Du komplexe, würzige Whisky-Cocktails magst, ist das der nächste logische Schritt.
🍫 Du magst ungewöhnliche, dunkle Cocktails?
→ Cocoa Old Fashioned
Die naheliegendste Verbindung, wenn Dir die Kombination aus Whisky und Kakao gefällt.
→ Improved Whiskey Cocktail
Ein klassischerer Ansatz für einen komplexen, aromatischen Whiskey-Drink.
🌿 Du magst komplexe, aromatische Cocktails?
→ Last Word
Ganz andere Aromatik, aber ebenfalls ein Cocktail, der mit einer ungewöhnlichen Kombination erstaunlich gut funktioniert.
→ Tipperary
Whisky trifft auf Vermouth und Chartreuse – würziger, kräuteriger und wesentlich trockener.
→ La Louisiane
Ein weiterer dunkler, komplexer Klassiker mit Würze und Tiefe.
Mein Urteil
Vienna in Ashes
★★★★★
Ein Cocktail, der auf dem Papier etwas verrückt klingt und im Glas plötzlich vollkommen logisch wird.
Schokolade.
Rauch.
Orange.
Mehr braucht es erstaunlicherweise nicht.
Was mir am Vienna in Ashes besonders gefällt, ist der Kontrast. Der Drink ist nicht einfach süß und schokoladig. Der rauchige Whisky verhindert genau das.
Und die Orange sorgt dafür, dass aus der Kombination kein schwerer Dessertdrink wird.
Für mich ist der Vienna in Ashes deshalb ein Cocktail für späte Abende, kaltes Wetter und Menschen, die gerne Drinks ausprobieren, die nicht nach dem ersten Blick in eine Schublade passen.
Wer rauchigen Whisky mag, sollte ihn unbedingt einmal ausprobieren.
Und wer keinen rauchigen Whisky mag, sollte ihn vielleicht trotzdem probieren.
Manchmal funktioniert eine Kombination gerade deshalb, weil sie zunächst falsch klingt.
Cocktail Discovery
ENTDECKE DEN VIENNA IN ASHES
Spirituose
WHISKY
Stil
MODERN CLASSIC · SPIRIT FORWARD · OLD FASHIONED TWIST
Geschmack
SMOKY · CHOCOLATE · ORANGE · RICH
Intensität ★★★★★
Süße ★★★★☆
Rauch ★★★★★
Schokolade ★★★★★
Gelegenheit
DIGESTIF · AFTER DINNER · WINTER EVENING
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