Rye Whiskey · Bénédictine · Vermouth · Absinthe · Peychaud’s
Würzig. Kräuterig. Aromatisch. Tief. Ein vergessener Klassiker aus New Orleans.
La Louisiane ist kein Cocktail, der sich beim ersten Schluck sofort erklärt.
Zunächst kommt der Rye Whiskey: trocken, würzig und mit dieser leicht pfeffrigen Schärfe, die Rye so interessant macht.
Dann folgen Kräuter, Gewürze und eine überraschende Süße.
Bénédictine bringt eine dichte, komplexe Kräuter- und Gewürzaromatik mit. Der süße Vermouth verbindet Whiskey und Likör miteinander. Peychaud’s Bitters geben dem Drink seine typische New-Orleans-DNA, während ein kleiner Schuss Absinthe für die charakteristische anisartige Spitze sorgt.
Das Ergebnis ist ein Cocktail, der gleichzeitig würzig, süß, herb, kräuterig und erstaunlich komplex ist.
La Louisiane gehört damit in dieselbe faszinierende Welt wie Sazerac und Vieux Carré – ist aber weniger bekannt.
Aber er ist vor allem eins: MEIN LIEBLINGSCOCKTAIL
FLAVOUR TAGS
HERBAL · SPICED · ANISE · BITTERSWEET · AROMATIC
Cocktail-Charakter
Säure ●○○○○
Süße ●●●○○
Kräuter ●●●●●
Frucht ●○○○○
Alkohol ●●●●●
Komplexität ●●●●●
Stil: Classic · New Orleans · Stirred
Spirituose: Rye Whiskey
Gelegenheit: Aperitif · Abend · Digestif

La Louisiane – Das Rezept
| Zutaten | Menge |
| Rye Whiskey | 30 ml |
| Sweet Vermouth | 30 ml |
| Bénédictine | 30 ml |
| Absinthe | 3–4 Dashes |
| Peychaud’s Bitters | 3–4 Dashes |
| Eis | reichlich |
| Maraschino-Kirsche | Garnitur |
Zubereitung
Ein Nick-&-Nora- oder Coupette-Glas vorkühlen.
Rye Whiskey, Sweet Vermouth und Bénédictine in ein Rührglas geben.
Peychaud’s Bitters hinzufügen.
Das Rührglas mit reichlich Eis füllen und den Drink etwa 20–30 Sekunden kalt und gut rühren.
Das vorgekühlte Glas mit etwas Absinthe auswaschen und dann den Cocktail dorthin abseihen.
Mit einer Maraschino-Kirsche garnieren.
Garnitur
Maraschino-Kirsche
Die Kirsche ist hier mehr als Dekoration. Ihre Süße nimmt dem ersten Eindruck des Drinks etwas von seiner Würze und passt gut zur dunklen, kräuterigen Aromatik des Bénédictine.
TIPP
Beim Absinthe gilt: weniger ist mehr.
Absinthe soll bei der La Louisiane nicht zum Hauptdarsteller werden.
Er soll im Hintergrund bleiben und dem Drink diese charakteristische anisartige, leicht medizinische Kräuternote geben.
Wenn beim ersten Schluck sofort nur Absinthe zu schmecken ist, war es zu viel.
Deshalb nur das Glas damit benetzen und den Rest entfernen.
Wie schmeckt der La Louisiane?
Der erste Eindruck ist würzig und süß.
Der Rye bringt Pfeffer, Holz und Getreidearomen mit. Dazu kommt die intensive Kräuter- und Gewürzaromatik des Bénédictine.
Dann wird der Drink trockener.
Peychaud’s Bitters bringen florale und leicht würzige Noten ins Spiel, während der Absinthe einen feinen Anis-Ton darüberlegt.
Die interessante Kombination ist:
würzig → kräuterig → süß → anisartig → trocken
La Louisiane ist deshalb kein besonders leichter oder frischer Cocktail.
Er ist ein Drink zum langsamen Trinken.
Einer dieser Cocktails, bei denen man nach dem ersten Schluck nicht unbedingt denkt: „was für ein erfrischender Drink“
Sondern eher: „Da passiert gerade ziemlich viel.“
Das Flavor-Profil
LA LOUISIANE
Fresh ●●○○○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●○○
Sour ●○○○○
Herbal ●●●●●
Fruity ●○○○○
Boozy ●●●●●
Complex ●●●●●
Geschmacksschwerpunkt
| HERBAL | <───────────●─> | SPICED |
| DRY | <──────●──────> | SWEET |
| LIGHT | <──────────●──> | INTENSE |
| FRESH | <─────────●───> | RICH |
Warum ich den La Louisiane mag
La Louisiane ist einer dieser Cocktails, die man leicht übersehen kann und der auch nciht auf vielen Barkarten auftaucht.
Rye Whiskey, Vermouth und Bénédictine klingen zunächst nicht besonders spektakulär.
Dann kommen Peychaud’s Bitters und Absinthe dazu.
Und plötzlich ist aus drei Spirituosen beziehungsweise Likören ein ziemlich komplexer Cocktail geworden.
Was mir an der La Louisiane besonders gefällt, ist diese Spannung zwischen Süße und Würze.
Der Bénédictine macht den Drink zunächst weich und rund. Der Rye hält dagegen.
Peychaud’s bringt eine florale, leicht bittere Note hinein.
Und der Absinthe setzt am Ende einen kleinen, aber sehr deutlichen Akzent.
Das ist kein Cocktail, der sich über Frische oder Fruchtigkeit verkauft.
Er funktioniert über Tiefe und Aromatik.
Und genau deshalb passt er meiner Meinung nach sehr gut in die Reihe der klassischen New-Orleans-Cocktails, die ich auf diesem Blog besonders interessant finde. Und wie schon gesagt: es ist mein Lieblinsgcocktail.
Warum funktioniert dieser Cocktail?
1. Rye und Bénédictine
Das ist das Fundament.
Rye Whiskey bringt trockene Würze, Pfeffer und eine gewisse Härte.
Bénédictine setzt dagegen Süße und eine komplexe Kräuter- und Gewürzaromatik.
Allein diese Kombination macht den Drink schon wesentlich interessanter als einen klassischen Whiskey & Vermouth Cocktail.
2. Der Vermouth
Der Sweet Vermouth verbindet die beiden Welten.
Er bringt eigene Kräuter- und Gewürznoten mit und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Drink nicht ausschließlich nach Whiskey und Likör schmeckt.
Hier würde ich einen guten, aromatischen roten Vermouth verwenden.
Nicht unbedingt den süßesten.
Der La Louisiane hat bereits durch den Bénédictine genügend Süße.
3. Bénédictine
Der Bénédictine ist wahrscheinlich die wichtigste Zutat nach dem Rye.
Er bringt eine enorme Aromendichte mit:
Kräuter · Gewürze · Honig · florale Noten · Wärme
Genau deshalb würde ich ihn nicht einfach als Süßungsmittel betrachten.
Er ist ein wesentlicher Bestandteil der Identität des Cocktails.
4. Peychaud’s Bitters
Peychaud’s Bitters sind ein wichtiger Teil der New-Orleans-DNA.
Zusammen mit Rye und Absinthe erinnern sie unmittelbar an den Sazerac.
Dabei ist der La Louisiane aber deutlich weicher und komplexer.
Die Bitters sollen nicht bitter dominieren.
Sie sollen den Cocktail aromatisch öffnen.
5. Absinthe
Der Absinthe ist die Würze.
Nur wenige Dashes reichen aus.
Er bringt Anis und intensive Kräuternoten und verbindet damit Bénédictine und Peychaud’s miteinander.
Das ist ein gutes Beispiel für eine Zutat, die mengenmäßig kaum ins Gewicht fällt, geschmacklich aber einen riesigen Unterschied macht.
Die Geschichte des La Louisiane
Ein Cocktail aus New Orleans
La Louisiane gehört zu den klassischen Cocktails aus New Orleans.
Seine genaue Entstehungsgeschichte ist allerdings nicht vollständig dokumentiert.
Die früheste wichtige schriftliche Quelle ist Stanley Clisby Arthurs Famous New Orleans Drinks and How to Mix ’Em von 1937.
Dort findet sich der Drink als Cocktail à la Louisiane.
Arthur beschreibt ihn als Spezialcocktail des Restaurant de la Louisiane, eines bekannten französischen Restaurants in New Orleans.
Das Rezept ist einfach aufgebaut:
- Rye Whiskey
- italienischer Vermouth
- Bénédictine
- Absinthe
- Peychaud’s Bitters
und eine Maraschino-Kirsche.
Die historische Rezeptur verwendet dabei gleiche Teile Rye, Vermouth und Bénédictine sowie jeweils mehrere Dashes Absinthe und Peychaud’s Bitters.
1937 – New Orleans · Restaurant de la Louisiane
Der La Louisiane erscheint in Stanley Clisby Arthurs Cocktailbuch.
Danach – Ein Cocktail gerät in Vergessenheit
Während Sazerac und später Vieux Carré zu den bekanntesten New-Orleans-Cocktails wurden, verschwand der La Louisiane weitgehend aus dem Bewusstsein.
Heute – Ein wiederentdeckter Klassiker
In den vergangenen Jahren taucht der Drink wieder häufiger in Cocktailbars und historischen Cocktail-Rezepten auf.
Das eigentlich Faszinierende am La Louisiane
Der La Louisiane ist interessant, weil er fast wie ein missing link zwischen mehreren New-Orleans-Klassikern wirkt.
Er hat etwas vom Sazerac:
Rye · Peychaud’s · Absinthe
und gleichzeitig etwas vom Vieux Carré:
Rye · Vermouth · Bénédictine
Der Unterschied ist entscheidend:
Beim Sazerac steht der Whiskey deutlich stärker im Mittelpunkt.
Der Vieux Carré baut auf Rye, Cognac und Vermouth auf.
Der La Louisiane dagegen lässt den Bénédictine wesentlich stärker mitspielen.
Dadurch entsteht ein Cocktail, der süßer, kräuteriger und aromatisch dichter wirkt.
Und das gibt ihm liegt seine eigene Identität.
La Louisiane und seine Verwandten
Ein Cocktail – mehrere Wege
Wenn man den La Louisiane verstanden hat, lässt sich plötzlich eine kleine New-Orleans-Cocktailfamilie erkennen.
Sazerac
Rye, Peychaud’s und Absinthe.
Der trockene, konzentrierte Verwandte.
→ Sazerac – Rezept
Vieux Carré
Rye, Cognac, Vermouth, Bénédictine und Bitters.
Der komplexere, vielschichtigere Cousin.
→ Vieux Carré – Rezept
La Louisiane
Rye, Vermouth, Bénédictine, Absinthe und Peychaud’s.
Die Schnittmenge.
Das ist auch der Grund, warum ich die drei Cocktails auf Deiner Seite unbedingt gegenseitig verlinken würde.
Wenn Dir der La Louisiane gefällt …
🥃 Du magst würzige Whiskey-Cocktails?
→ Manhattan
Whiskey und Vermouth in ihrer klassischen, eleganten Form.
→ Sazerac
Weniger weich, dafür trockener, konzentrierter und mit noch stärkerem New-Orleans-Charakter.
→ Vieux Carré
Noch komplexer: Rye trifft auf Cognac, Vermouth, Bénédictine und Bitters.
🌿 Du magst Kräuter und komplexe Aromen?
→ Last Word
Gin, Chartreuse, Maraschino und Limette – deutlich frischer, aber ähnlich intensiv aromatisch.
→ Tipperary
Whiskey, Green Chartreuse und Vermouth verbinden sich zu einem würzigen, kräuterigen Klassiker.
→ Final Ward
Eine Art Whiskey-Verwandter des Last Word mit Rye, Chartreuse und Zitrus.
🍸 Du magst klassische New-Orleans-Cocktails?
→ Sazerac
Der vielleicht naheliegendste nächste Schritt.
→ Vieux Carré
Für alle, die noch mehr Tiefe und Komplexität suchen.
→ La Louisiane
Der unterschätzte Cocktail zwischen beiden Welten.
Mein Urteil
La Louisiane
★★★★★
La Louisiane ist kein Cocktail für den ersten, schnellen Eindruck.
Er braucht etwas Aufmerksamkeit.
Aber genau dafür wird man belohnt.
Rye bringt Würze.
Bénédictine bringt Tiefe.
Vermouth verbindet die beiden.
Peychaud’s und Absinthe setzen die New-Orleans-Akzente.
Das Ergebnis ist ein intensiver, kräuteriger und würziger Cocktail, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als sein relativ geringer Bekanntheitsgrad vermuten lässt.
Für mich ist der La Louisiane vor allem eines:
Ein Cocktail für Menschen, die Sazerac und Vieux Carré mögen – aber gerne einmal einen weniger offensichtlichen Weg durch die Cocktailgeschichte nehmen.
Cocktail Discovery
ENTDECKE DEN LA LOUISIANE
Spirituose
RYE WHISKEY
Stil
CLASSIC · NEW ORLEANS · STIRRED
Geschmack
HERBAL · SPICED · ANISE · AROMATIC
Intensität ★★★★★
Süße ★★★☆☆
Säure ★☆☆☆☆
Kräuter ★★★★★
Gelegenheit
APERITIF · EVENING · DIGESTIF
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