Satan's Curled and Bloody Whiskers Cocktail

Satan’s Curled and Bloody Whiskers – Cocktail – Rezept

Gin · Curaçao · Wermut · Blutorange · Orange Bitters

Fruchtig. Bitter. Zitrisch. Würzig. Überraschend rund.

Der Name klingt nach einem Cocktail, den man besser nicht bei Tageslicht bestellt.

Satan’s Curled and Bloody Whiskers ist allerdings wesentlich weniger höllisch, als sein Name vermuten lässt.

Im Glas treffen Gin, trockener und roter Wermut, Curaçao, Blutorangensaft und Orange Bitters aufeinander. Das Ergebnis ist ein erstaunlich runder Cocktail: fruchtig und zitrisch, mit einer leichten Säure, würzigen Bitternoten und genau genug Süße, um alles zusammenzuhalten.

Und dann ist da noch die Geschichte hinter den „Whiskers“.

Denn der Drink ist gar keine moderne Cocktail-Erfindung. Die beiden Varianten Satan’s Whiskers Straight und Satan’s Whiskers Curled finden sich bereits in Harry Craddocks The Savoy Cocktail Book von 1930. Bei der Curled-Version wird Grand Marnier durch Orange Curaçao ersetzt.

Das „Bloody“ kommt dann von der Blutorange.

Und die macht aus einem ohnehin interessanten Klassiker einen Cocktail, der nicht nur einen ziemlich guten Namen hat, sondern auch ziemlich gut schmeckt.


FLAVOUR TAGS

CITRUS · ORANGE · BITTER · FRUITY · HERBAL · SPICED · AROMATIC

Cocktail-Charakter

Säure ●●●○○
Süße ●●●○○
Kräuter/Würze ●●●○○
Frucht ●●●●○
Alkohol ●●●○○
Bitterkeit ●●●○○
Komplexität ●●●●○

Stil: Classic · Pre-Prohibition · Vermouth Cocktail
Spirituose: Gin
Gelegenheit: Aperitif · früher Abend · Herbst/Winter · Cocktailabend


Satan's Curled and Bloody Whiskers Cocktail
Satan’s Curled and Bloody Whiskers Cocktail

Satan’s Curled and Bloody Whiskers – Das Rezept

ZutatenMenge
Gin30 ml
Dry Curaçao15 ml
roter Wermut15 ml
trockener Wermut15 ml
Blutorangensaft15 ml
Orange Bitters2 Dash
Eisreichlich

Zubereitung

Ein Cocktailglas oder eine Nick & Nora gut vorkühlen.

Gin, Dry Curaçao, roten und trockenen Wermut, frisch gepressten Blutorangensaft und Orange Bitters in ein Rührglas geben.

Mit reichlich Eis auffüllen und gründlich kalt rühren.

Anschließend in das vorgekühlte Glas abseihen.

Garnitur: Orangenzeste

Die Zeste über dem Drink ausdrücken, damit die ätherischen Öle auf der Oberfläche landen, und anschließend ins Glas geben.

Ein wichtiger Punkt

Bei meinem ursprünglichen Rezept habe ich den Drink gerührt. Das funktioniert sehr gut, weil Wermut und Curaçao dadurch eine elegante, seidige Struktur behalten.

Gleichzeitig gibt es für Satan’s Whiskers auch klassische und moderne Versionen, die geshakt werden. Craddocks ursprüngliches Rezept sieht ebenfalls Schütteln vor.

Für diese Variante würde ich trotzdem beim Rühren bleiben.

Denn mit Blutorangensaft entsteht so ein etwas ruhigerer, erwachsenerer Drink.


Wie schmeckt der Satan’s Curled and Bloody Whiskers?

Der erste Eindruck ist Orange.

Aber nicht einfach nur süße Orange.

Die Blutorange bringt Fruchtigkeit und Säure, während der Curaçao die Orangennote konzentriert und gleichzeitig eine leicht bittere Zitrusaromatik beisteuert.

Dahinter kommen die beiden Wermuts.

Der rote Wermut bringt Süße, Würze und Kräuternoten. Der trockene Wermut hält dagegen und sorgt dafür, dass der Drink nicht in Richtung Dessertcocktail kippt.

Der Gin verbindet schließlich alles miteinander.

Das Ergebnis bewegt sich ungefähr hier:

fruchtig → zitrisch → würzig → bitter → trocken

Und genau diese Mischung macht den Drink interessant.

Er schmeckt zunächst zugänglich und fruchtig, wird aber mit jedem Schluck komplexer.


Das Flavor-Profil

SATAN’S CURLED AND BLOODY WHISKERS

Fresh ●●●○○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●○○
Sour ●●●○○
Herbal ●●●○○
Fruity ●●●●○
Citrus ●●●●●
Bitter ●●●○○
Boozy ●●●○○
Complex ●●●●○

Geschmacksschwerpunkt

CITRUS <────────●────>FRUITY
DRY <──────●──────>SWEET
LIGHT <───────●─────>INTENSE
FRESH <──────●──────>RICH

Warum funktioniert dieser Cocktail?

1. Gin und Orange

Gin und Orange sind grundsätzlich eine ziemlich natürliche Kombination.

Der Gin bringt Wacholder und Botanicals, die Orange liefert Fruchtigkeit und Zitrusöl.

Beim Satan’s Whiskers wird diese Kombination allerdings nicht einfach mit Orangensaft und einem Orangenlikör verlängert.

Sie wird durch zwei verschiedene Wermuts komplizierter.

Dadurch bekommt der Drink seine Tiefe.


2. Zwei Wermuts statt einer

Das ist für mich eine der interessantesten Ideen des Cocktails.

Roter und trockener Wermut erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Der rote Wermut bringt Süße und dunklere Würze.

Der trockene Wermut sorgt für Kräuter, Trockenheit und Struktur.

Zusammen verhindern sie, dass der Cocktail einfach wie ein Gin-Orange-Drink schmeckt.

Sie machen aus der Orange einen Cocktail.


3. Warum Curaçao?

Hier steckt die kleine historische Besonderheit des Drinks.

Beim Satan’s Whiskers Straight wird Grand Marnier verwendet.

Beim Satan’s Whiskers Curled wird stattdessen Orange Curaçao verwendet. Genau diese Unterscheidung findet sich bereits bei Harry Craddock im Savoy Cocktail Book von 1930.

Das Curaçao macht die Variante etwas trockener und zitrischer.

Und deshalb passt es auch hervorragend zur Blutorange.


4. Die Blutorange

Die Blutorange ist meine kleine Abweichung vom historischen Rezept.

Im Original steht schlicht Orange Juice.

Mit Blutorangensaft verändert sich der Cocktail gleich auf mehreren Ebenen.

Die Farbe wird intensiver.

Die Fruchtigkeit wird etwas dunkler.

Und die leichte Säure der Blutorange passt hervorragend zu Wermut und Curaçao.

Daher kommt auch das „Bloody“ in meinem Namen.

Nicht, weil Satan tatsächlich etwas Blut verloren hätte.


5. Orange Bitters

Die zwei Dash Orange Bitters wirken zunächst wie ein Detail.

Sind sie aber nicht.

Sie verstärken die Orangennote, ohne einfach mehr Süße hinzuzufügen.

Gleichzeitig bringen sie eine leichte Würze und Bitterkeit in den Drink.

Gerade bei einem Cocktail mit Orangensaft ist das wichtig.

Sonst könnte der Drink schnell zu fruchtig wirken.


Die Geschichte des Satan’s Whiskers

Ein Cocktail mit zwei Gesichtern

Satan’s Whiskers gehört zu den Cocktails, deren Name deutlich spektakulärer klingt als ihre Zutatenliste.

Die erste bekannte gedruckte Quelle ist Harry Craddocks The Savoy Cocktail Book von 1930. Dort erscheinen zwei Versionen:

Satan’s Whiskers (Straight)
mit Grand Marnier

Satan’s Whiskers (Curled)
mit Orange Curaçao

Die beiden Versionen sind also keine moderne Erfindung, sondern bereits Bestandteil der Cocktailwelt der frühen 1930er Jahre.

Und genau hier wird der Name besonders schön.

Straight bedeutet gerade.

Curled bedeutet gelockt.

Die Barthaare des Satans sind also entweder gerade oder gelockt.

Warum?

Das weiß heute wahrscheinlich niemand mehr ganz genau.


1930 – Harry Craddock · The Savoy Cocktail Book

Satan’s Whiskers erscheint in zwei Varianten.

Die Basis ist jeweils Gin, trockener und roter Wermut, Orangensaft und Orange Bitters. Der Unterschied liegt im Orangenlikör.

Heute

Der Cocktail ist längst kein großer Mainstream-Klassiker wie Martini oder Manhattan.

Aber genau das macht ihn interessant.

Wer ihn kennt, bekommt einen Drink, der klassische Cocktailgeschichte mit einer ungewöhnlich fruchtigen Aromatik verbindet.


Das eigentlich Faszinierende am Satan’s Whiskers

Ich mag Cocktails, bei denen man zunächst denkt:

Das müsste doch eigentlich ziemlich einfach schmecken.

Gin.

Orange.

Wermut.

Curaçao.

Und dann funktioniert es trotzdem.

Denn die Zutaten arbeiten nicht alle in dieselbe Richtung.

Die Orange ist fruchtig.

Der Curaçao ist süß und zitrisch.

Der rote Wermut ist würzig.

Der trockene Wermut ist herb.

Der Gin ist botanisch.

Die Orange Bitters bringen zusätzliche Bitterkeit.

Das Ergebnis ist deshalb deutlich komplexer, als die Zutatenliste zunächst vermuten lässt.


Ein Cocktail – viele Möglichkeiten

Satan’s Whiskers – Straight oder Curled?

Wenn Du den Drink ausprobieren möchtest, würde ich tatsächlich beide Versionen einmal nebeneinander trinken.

Straight

Grand Marnier

→ voller
→ weicher
→ etwas süßer
→ runder

Curled

Orange Curaçao

→ trockener
→ zitrischer
→ etwas leichter
→ stärker auf die Orange fokussiert

Für meine Bloody-Variante würde ich aber eindeutig beim Curaçao bleiben.

Die Blutorange bringt bereits genügend Fruchtigkeit und Tiefe mit.

Der Dry Curaçao hält den Drink dabei auf der trockeneren Seite.


Mit normaler Orange

Natürlich funktioniert das Rezept auch mit frisch gepresstem Orangensaft.

Dann verschwindet allerdings genau die kleine Besonderheit, die ich an dieser Variante mag.

Die Blutorange gibt dem Drink mehr Charakter.


Mehr Gin

Wer den Cocktail trockener und spirituoser möchte, kann den Gin etwas stärker gewichten und den Orangensaft reduzieren.

Das bringt ihn näher an einen klassischen, spirit-forward Cocktail.

Ich würde allerdings zunächst die ausgewogene Variante probieren.


Wenn Dir der Satan’s Curled and Bloody Whiskers gefällt …

Hier würde ich wieder einen Cocktail Discovery Path einsetzen.

Nicht einfach „ähnliche Cocktails“, sondern Empfehlungen nach dem Grund, warum jemand diesen Drink mag.

🍊 Du magst Orange und fruchtige Cocktails?

→ Orange-basierte Klassiker

Hier würde ich aus Deinem Bestand vor allem den East India Cocktail positionieren.

Orange, Gewürze und klassische Cocktailstruktur führen in eine ähnliche Richtung, allerdings mit einem anderen Grundcharakter.

→ East India Cocktail


🌿 Du magst Gin und komplexe Botanicals?

→ Last Word

Gin, Kräuter, Zitrus und Chartreuse.

Der Last Word ist deutlich intensiver und grüner, aber die Kombination aus Gin, Zitrus und Kräutern macht ihn zu einem sehr guten nächsten Schritt.

→ Last Word

→ Beuser & Angus Special

Noch stärker in Richtung Kräuter und Chartreuse.


🥃 Du magst Wermut-lastige Klassiker?

→ Martinez

Würziger, klassischer und deutlich weniger fruchtig.

Der Martinez ist eine sehr gute nächste Station, wenn Dich beim Satan’s Whiskers vor allem die Kombination aus Gin und Wermut interessiert.

→ Martinez

→ Manhattan

Wenn es dunkler, kräftiger und whiskeybetonter werden darf.

→ Manhattan


🍹 Du magst klassische Cocktails mit viel Balance?

→ Vieux Carré

Noch komplexer, würziger und dunkler.

→ Vieux Carré

→ La Louisiane

Kräuter, Wermut und Würze stehen hier deutlich stärker im Mittelpunkt.

→ La Louisiane


Mein Urteil

Satan’s Curled and Bloody Whiskers

★★★★★

Ein Cocktail, dessen Name fast absurder ist als sein Rezept.

Und genau das gefällt mir.

Denn hinter den Curled and Bloody Whiskers steckt kein verrückter Show-Drink, sondern ein ziemlich elegant gebauter Klassiker.

Gin bringt die Struktur.

Zwei Wermuts bringen Tiefe.

Curaçao bringt Orange und Süße.

Blutorange bringt Frucht und Säure.

Orange Bitters verbinden alles.

Das Ergebnis ist fruchtig, zitrisch, leicht bitter und erstaunlich rund.

Für mich ist das ein schöner Cocktail für alle, denen ein klassischer Martini oder Manhattan manchmal zu streng ist, die aber trotzdem keinen simplen, süßen Fruchtcocktail suchen.

Und die Blutorange macht aus dem historischen Curled Whiskers einen Drink mit einer ganz eigenen Identität.

Teuflisch gut.


Cocktail Discovery

ENTDECKE DEN SATAN’S CURLED AND BLOODY WHISKERS

Spirituose
GIN

Stil
CLASSIC · PRE-PROHIBITION · VERMOUTH COCKTAIL

Geschmack
CITRUS · ORANGE · FRUITY · BITTER · HERBAL

Intensität ★★★★☆
Süße ★★★☆☆
Säure ★★★☆☆
Frucht ★★★★☆
Bitterkeit ★★★☆☆

Gelegenheit
APERITIF · COCKTAIL HOUR · ABEND


Mehr entdecken

[Alle Gin Cocktails] →

[Alle Citrus Cocktails] →

[Alle Vermouth Cocktails] →

[Alle klassischen Cocktails] →

Cocktail Discovery Matrix


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dirk Wäscher – Trips, Food, Cocktails, Bars