Bourbon · Zitrone · Tomate · Basilikum · Agave
Frisch. Kräuterig. Säuerlich. Überraschend herzhaft. Ein ungewöhnlicher Bourbon-Cocktail mit italienischem Namen.
Der Giro D’Italia ist einer dieser Cocktails, bei denen man nach dem Lesen der Zutatenliste erst einmal kurz innehält.
Bourbon.
Tomate.
Basilikum.
Zitrone.
Agave.
Das klingt zunächst eher nach einer kleinen Vorspeise als nach einem Cocktail.
Der Bourbon bringt Wärme, Vanille und Würze. Die Zitrone sorgt für Säure und Frische, während Agavendicksaft die beiden miteinander verbindet. Dann kommen Tomate und Basilikum ins Spiel: Die Tomate bringt eine leicht herzhafte, saftige Note, das Basilikum eine grüne, aromatische Frische.
Das Ergebnis ist kein klassischer Whiskey Sour und auch kein gewöhnlicher Smash.
Der Giro D’Italia ist frischer, grüner und überraschend vielschichtiger, als seine ungewöhnliche Zutatenliste vermuten lässt.
Und der Name ist Programm: Rot, Weiß und Grün finden sich zumindest sinngemäß in den Zutaten wieder.
FLAVOUR TAGS
HERBAL · CITRUS · FRESH · SAVORY · TART · FRUITY · AROMATIC
Cocktail-Charakter
Säure ●●●●○
Süße ●●●○○
Kräuter ●●●●○
Frucht ●●●○○
Alkohol ●●●●●
Herb / Savory ●●●○○
Komplexität ●●●●○
Stil: Modern Classic · Sour · Smash
Spirituose: Bourbon
Gelegenheit: Sommerabend · Aperitif · Dinner · ungewöhnlicher Whiskey Drink

Giro D’Italia – Das Rezept
| Zutaten | Menge |
| Elijah Craig Bourbon | 70 ml |
| frischer Zitronensaft | 25 ml |
| Agavendicksaft | 25 ml |
| Cherrytomaten | 2 Stück |
| frisches Basilikum | 5 Blätter mit Stängeln |
| Eis | reichlich |
Zubereitung
Die Cherrytomaten halbieren oder leicht anquetschen und zusammen mit den Basilikumblättern und -stängeln in einen Shaker geben.
Mit dem Muddler kräftig andrücken.
Dabei geht es nicht darum, aus den Tomaten und dem Basilikum ein möglichst feines Püree zu machen. Entscheidend ist, die Säfte der Tomaten freizusetzen und gleichzeitig die aromatischen Öle des Basilikums herauszuarbeiten.
Bourbon, frisch gepressten Zitronensaft und Agavendicksaft dazugeben.
Den Shaker mit reichlich Eis füllen und kräftig shaken.
Anschließend den Cocktail doppelt abseihen – zuerst durch das Barsieb und danach durch ein feines Sieb – und in einen vorgekühlten Old Fashioned beziehungsweise Rocks Glass auf einen großen Eiswürfel geben.
Mit einem frischen Basilikumblatt garnieren.
Garnitur
Basilikumblatt
Mehr braucht der Giro D’Italia nicht.
Die Garnitur sollte den Drink nicht unnötig dekorieren, sondern seine wichtigste aromatische Komponente noch einmal ankündigen.
Wie schmeckt der Giro D’Italia?
Der erste Eindruck ist überraschend frisch.
Zitrone und Basilikum sind zunächst deutlich wahrnehmbar. Dahinter kommt der Bourbon mit seiner warmen, leicht süßen und würzigen Aromatik.
Und dann passiert etwas, das den Drink von einem normalen Whiskey Sour unterscheidet:
Die Tomate.
Sie macht den Cocktail nicht zu einem Bloody-Mary-Verwandten. Dafür ist viel zu wenig Tomate im Glas.
Stattdessen bringt sie eine dezente, saftige und leicht herzhafte Note in den Drink. Zusammen mit dem Basilikum entsteht eine Aromatik, die fast ein wenig an mediterrane Küche erinnert.
Die Zitrone hält das Ganze frisch.
Die Agave sorgt für die nötige Balance.
Und der Bourbon gibt dem Drink das Rückgrat.
frisch → kräuterig → zitrisch → leicht herzhaft → warm
Gerade diese Mischung macht den Giro D’Italia interessant.
Er schmeckt zunächst vertraut – und wird mit jedem Schluck etwas ungewöhnlicher.
Das Flavor-Profil
GIRO D’ITALIA
Fresh ●●●●○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●○○
Sour ●●●●○
Herbal ●●●●○
Fruity ●●●○○
Savory ●●●○○
Boozy ●●●●●
Complex ●●●●○
Geschmacksschwerpunkt
| HERBAL | <────────●────> | SAVORY |
| DRY | <──────●──────> | SWEET |
| LIGHT | <─────────●───> | INTENSE |
| FRESH | <─────●───────> | RICH |
Der Giro D’Italia sitzt damit ziemlich genau an einer interessanten Schnittstelle: klassischer Whiskey Sour auf der einen, moderner, kulinarisch inspirierter Cocktail auf der anderen Seite.
Warum ich den Giro D’Italia mag
Der Giro D’Italia ist für mich ein schönes Beispiel dafür, warum man Cocktails nicht immer nach ihrer Zutatenliste beurteilen sollte.
Auf dem Papier wirkt die Kombination erst einmal ziemlich seltsam.
Bourbon und Tomate?
Basilikum im Whiskey Cocktail?
Agavendicksaft dazu?
Das klingt nicht unbedingt nach einem Drink, den man spontan bestellen würde.
Aber der Cocktail funktioniert.
Der Bourbon gibt ihm eine solide Basis. Die Zitrone bringt Säure. Die Agave nimmt der Säure die Spitze. Und Tomate und Basilikum sorgen dafür, dass der Drink plötzlich eine völlig andere Richtung einschlägt.
Vor allem das Basilikum macht dabei einen großen Unterschied.
Es verbindet die frische, grüne Aromatik der Tomate mit den würzigeren Noten des Bourbons.
Dadurch schmeckt der Giro D’Italia nicht wie ein experimenteller Cocktail, bei dem jemand möglichst viele ungewöhnliche Zutaten miteinander kombiniert hat.
Er wirkt erstaunlich geschlossen.
Warum funktioniert dieser Cocktail?
1. Bourbon und Zitrone
Das Grundgerüst erinnert zunächst an einen Whiskey Sour.
Der Bourbon liefert Wärme, Vanille, Holz und Würze.
Die Zitrone bringt die notwendige Säure und verhindert, dass der Drink schwer wirkt.
Diese Kombination funktioniert seit Jahrzehnten – und ist deshalb ein ziemlich gutes Fundament für ein Experiment.
2. Die Agave
Agavendicksaft übernimmt hier eine ähnliche Aufgabe wie Zuckersirup in einem Sour.
Er bringt Süße und verbindet Bourbon und Zitrone.
Dabei würde ich den Drink nicht zu süß machen.
Die Agave soll die Säure ausbalancieren, nicht überdecken.
Gerade bei einem Cocktail mit Tomate und Basilikum ist es wichtig, dass die Frische erhalten bleibt.
3. Die Tomate
Die Tomate ist wahrscheinlich die Zutat, die den größten Aha-Effekt erzeugt.
Sie liefert nicht einfach „Tomatengeschmack“.
Viel wichtiger ist ihre Kombination aus Saftigkeit, leichter Säure und einer dezenten herzhaften Note.
Deshalb würde ich hier tatsächlich kleine, aromatische Cherrytomaten verwenden.
Und ich würde sie beim Muddeln nicht vollständig zerlegen.
Saft und Aroma ja – Tomatenbrei nein.
Das macht auch das anschließende doppelte Abseihen wesentlich einfacher.
4. Das Basilikum
Basilikum ist der aromatische Gegenpol zur Tomate.
Es bringt Frische, grüne Kräuternoten und ätherische Öle in den Cocktail.
Wie beim Gin Basil Smash sollte man das Basilikum kräftig genug bearbeiten, damit seine Aromen freigesetzt werden.
Aber auch hier gilt:
Nicht möglichst viel Pflanzenmaterial ist das Ziel, sondern möglichst viel Aroma.
5. Der Bourbon
Die ursprüngliche Version arbeitet mit Elijah Craig Bourbon.
Das passt ziemlich gut zur Idee des Drinks.
Ich würde beim Bourbon einen eher klassischen, kräftigen Bourbon bevorzugen, der genügend Eigengeschmack besitzt, um neben Zitrone, Basilikum und Tomate nicht unterzugehen.
Ein extrem weicher oder sehr zurückhaltender Bourbon könnte in diesem Cocktail schnell zu wenig Struktur liefern.
Die Geschichte des Giro D’Italia
Ein amerikanischer Cocktail mit italienischem Namen
Der Giro D’Italia ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Cocktailkultur, Barwelt und Popkultur miteinander verbinden.
Der Name klingt eindeutig italienisch.
Und die Zutaten unterstreichen diesen Eindruck:
Tomate. Basilikum. Rot. Weiß. Grün.
Doch der Drink stammt nicht aus Italien.
Dein ursprünglicher Beitrag führt ihn auf die Bar Velo in New York zurück, eine italienisch geprägte Bar. Die Mischung aus amerikanischer Cocktailtradition und italienischer Aromatik macht den Namen ziemlich passend.
Der Cocktail selbst ist dabei deutlich moderner als die großen Klassiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Seine Idee ist nicht, einen alten Cocktail möglichst originalgetreu zu reproduzieren.
Vielmehr nimmt er ein klassisches Cocktailprinzip – Spirituose, Säure und Süße – und erweitert es um Zutaten, die man normalerweise eher aus der Küche kennt.
Das Ergebnis ist ein Cocktail, der vertraute Strukturen mit einer überraschenden Aromatik verbindet.
Was macht den Giro D’Italia besonders?
Die eigentliche Idee des Cocktails lässt sich erstaunlich einfach zusammenfassen:
Nimm einen Whiskey Sour.
Gib Basilikum und Tomate dazu.
Und plötzlich hast du einen völlig anderen Drink.
Ein Whiskey Sour mit mediterraner Seite.
Wenn Dir der Giro D’Italia gefällt …
🥃 Du magst Bourbon und kräftige Sours?
→ Whiskey Sour
Der naheliegendste nächste Schritt: Bourbon, Zitrone und Süße – aber ohne die ungewöhnliche Kräuter- und Tomatennote des Giro D’Italia.
→ Improved Whiskey Cocktail
Wenn es weniger sauer und deutlich würziger werden darf: ein komplexerer Whiskey Cocktail mit mehr Tiefe.
🌿 Du magst Cocktails mit Kräutern?
→ Gin Basil Smash
Basilikum steht hier noch stärker im Mittelpunkt. Dazu kommen Gin und Zitrone – deutlich frischer und grüner als der Giro D’Italia.
→ Last Word
Gin, Zitrus und Kräuter treffen hier auf Chartreuse. Komplexer, trockener und wesentlich klassischer.
🍋 Du magst Sour-Cocktails?
→ Daiquiri
Das pure Sour-Prinzip: Rum, Limette und Zucker. Weniger ungewöhnlich, dafür extrem präzise.
→ Pineapple Daiquiri
Wenn der Sour fruchtiger und tropischer werden darf.
🍸 Du suchst einen klassischen Whiskey Cocktail?
→ Manhattan
Weniger frisch und sauer, dafür würziger, runder und deutlich klassischer.
→ Sazerac
Noch konzentrierter und alkoholischer – ein Cocktail für den Fall, dass Du die kräftige Seite des Bourbons weiterverfolgen möchtest.
Mein Urteil
Giro D’Italia
★★★★★
Ein Cocktail, der auf dem Papier merkwürdig klingt und im Glas erstaunlich logisch wird.
Bourbon, Zitrone und Agave bilden zunächst ein vertrautes Fundament.
Dann kommen Tomate und Basilikum.
Und plötzlich ist aus einem Whiskey Sour etwas völlig anderes geworden.
Für mich ist genau das die Qualität des Giro D’Italia:
Er versucht nicht, besonders kompliziert zu sein.
Er nimmt eine einfache Cocktailstruktur und verändert sie mit zwei Zutaten so stark, dass daraus ein eigenständiger Drink entsteht.
Cocktail Discovery
ENTDECKE DEN GIRO D’ITALIA
Spirituose
BOURBON
Stil
MODERN · SOUR · SMASH
Geschmack
HERBAL · CITRUS · FRESH · SAVORY
Intensität ★★★★☆
Süße ★★★☆☆
Säure ★★★★☆
Kräuter ★★★★☆
Gelegenheit
SUMMER · APERITIF · DINNER
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