Singapore Sling

Singapore Sling – Cocktail – Rezept

Gin · Ananas · Cherry Heering · Limette

Fruchtig. Würzig. Aromatisch. Komplex. Ein Klassiker aus Singapur, der deutlich besser sein kann als sein Ruf.

Der Singapore Sling ist einer dieser Cocktails, bei denen man sich ziemlich leicht fragen kann, warum er eigentlich so berühmt geworden ist.

Viele Versionen sind sehr süß, sehr fruchtig und erinnern eher an einen alkoholischen Fruchtpunsch als an einen ernsthaften Cocktail.

Auch die im Raffles Hotel in Singapur zusammengemixte Variante gehört dazu.

Das muss aber nicht so sein.

Mein Singapore Sling ist deutlich trockener und strukturierter. Gin, Cherry Heering, Limette, Ananassaft, Cointreau und Bénédictine ergeben zusammen einen Drink, der gleichzeitig fruchtig, würzig, frisch und erstaunlich komplex ist.

Das Rezept, das ich hier verwende, stammt von Jim Meehan und hat mich gerade deshalb überzeugt, weil es nicht versucht, den Singapore Sling möglichst groß und bunt zu machen.

Er ist rund.

Nicht zu sauer.
Nicht zu süß.
Nicht zu alkoholisch.

Einfach ein ziemlich guter Cocktail.

Und damit ist er für mich eine interessante Alternative zu vielen klassischen Gin-Cocktails.


FLAVOUR TAGS

FRUITY · TROPICAL · CITRUS · HERBAL · SPICY · SWEET · AROMATIC

Cocktail-Charakter

Säure ●●●○○
Süße ●●●○○
Frucht ●●●●●
Kräuter ●●●○○
Alkohol ●●●○○
Komplexität ●●●●○

Stil: Classic · Sling · Tropical
Spirituose: Gin
Gelegenheit: Sommerabend · Long Drink · Barabend · After Work


Singapore Sling
Singapore Sling

Singapore Sling – Das Rezept

ZutatenMenge
Gin45 ml
Ananassaft45 ml
Cherry Heering15 ml
frischer Limettensaft15 ml
Cointreau7,5 ml
Bénédictine7,5 ml
Grenadine7,5 ml
Angostura Bitters1 Dash
GarniturOrangenscheibe

Zubereitung

Alle Zutaten zusammen mit Eis in einen Shaker geben.

Kräftig shaken, bis der Cocktail gut gekühlt ist.

Anschließend in ein hohes, mit frischem Eis gefülltes Glas abseihen.

Mit einer Orangenscheibe garnieren.

Fertig.

Garnitur

Orangenscheibe

Die Orangenscheibe ist für mich hier die bessere Wahl als eine überladene Garnitur aus Ananas, Cocktailkirsche und anderem Bar-Dekor.

Sie bringt bereits beim ersten Schluck ein zusätzliches Zitrusaroma mit und passt gut zu Cointreau, Limette und den würzigen Noten des Bénédictine.

Wenn keine Orange im Haus ist, funktioniert – wie ich es bei meinem ursprünglichen Rezept bereits ausprobiert habe – auch ein Stück Limette.


TIPP

Beim Singapore Sling entscheidet die Balance

Der Singapore Sling verzeiht schlechte Zutaten weniger, als seine bunte Optik vermuten lässt.

Vor allem beim Ananassaft würde ich auf Qualität achten.

Ein sehr süßer Saft kann den Cocktail schnell in Richtung Fruchtpunsch verschieben. Die Limette muss dagegen genügend Säure liefern, damit Gin, Cherry Heering und die Liköre nicht zu schwer wirken.

Der Drink sollte fruchtig sein – aber nicht klebrig süß.

Genau deshalb gefällt mir die hier verwendete Rezeptur mit 45 ml Gin und nur 45 ml Ananassaft deutlich besser als viele sehr fruchtige Varianten.


Wie schmeckt der Singapore Sling?

Der erste Eindruck ist Ananas und Kirsche.

Dann kommt die Limette.

Sie sorgt dafür, dass der Drink trotz der fruchtigen Zutaten frisch bleibt. Dahinter tauchen die würzigen und kräuterigen Aromen des Bénédictine auf, während Cointreau eine zusätzliche Orangennote einbringt.

Der Gin hält das Ganze zusammen.

Und genau das macht den Singapore Sling interessant.

Er schmeckt nicht einfach nach Ananassaft mit Alkohol.

Das Geschmacksbild entwickelt sich eher so:

fruchtig → zitrisch → würzig → kräuterig

Die Grenadine sorgt dabei vor allem für Farbe und zusätzliche Süße. Sie sollte den Drink nicht dominieren.

Der Singapore Sling ist deshalb ein guter Cocktail für alle, die fruchtige Drinks mögen, aber trotzdem etwas mehr aromatische Tiefe suchen.


Das Flavor-Profil

SINGAPORE SLING

Fresh ●●●●○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●○○
Sour ●●●○○
Herbal ●●●○○
Fruity ●●●●●
Boozy ●●●○○
Complex ●●●●○

Geschmacksschwerpunkt

FRUITY · TROPICAL<────────●──>HERBAL
DRY <────●────────>SWEET
LIGHT <──────●──────>INTENSE
FRESH <──────●──────>RICH

Warum ich diesen Singapore Sling mag

Mein erster Kontakt mit dem Singapore Sling war nicht unbedingt der beste.

Wenn man schon einmal im Raffles in Singapur war, liegt es natürlich nahe, dort den Cocktail zu probieren, der schließlich mit genau diesem Hotel verbunden ist.

Meine Erfahrung damit war allerdings eher ernüchternd.

Der Singapore Sling, den ich dort getrunken habe, war für mich eine reine Touristenattraktion. Pappsüß, ohne Herz.

Umso interessanter war dann eine andere Version des Drinks.

Die von Jim Meehan verwendete Rezeptur hat mich deutlich mehr überzeugt. Ich habe sie deshalb auch für meinen eigenen Singapore Sling übernommen.

Was mir daran gefällt, ist die Balance.

45 ml Gin treffen auf genauso viel Ananassaft. Dazu kommen Cherry Heering, Limette, Cointreau und Bénédictine.

Das klingt zunächst nach ziemlich vielen Zutaten.

Im Glas funktioniert es aber gut.

Die Ananas bringt die tropische Fruchtigkeit, die Kirsche verbindet Frucht und Süße, die Limette sorgt für Spannung und Bénédictine bringt eine würzige Tiefe ins Spiel.

Der Gin verhindert schließlich, dass daraus einfach ein Fruchtpunsch wird.

Genau diese Balance macht für mich den Unterschied zwischen einem beliebigen Singapore Sling und einem Cocktail, den ich gerne wieder trinken möchte.


Warum funktioniert dieser Cocktail?

1. Gin und Frucht

Gin ist eine ungewöhnliche, aber sehr gute Basis für einen tropischen Cocktail.

Seine Wacholder- und Botanicals sorgen dafür, dass Ananas und Kirsche nicht völlig die Kontrolle übernehmen.

Der Drink bleibt dadurch ein Gin-Cocktail.


2. Ananas und Limette

Ananas bringt Süße und tropische Fruchtigkeit.

Limette setzt dagegen Säure.

Das ist ein klassisches Prinzip, das auch bei vielen anderen tropischen Cocktails funktioniert.

Ohne die Limette würde der Singapore Sling schnell zu weich wirken.

Mit ihr bekommt er Spannung.


3. Cherry Heering

Der Cherry Heering ist mehr als nur ein roter Fruchtlikör.

Er bringt eine dunkle, konzentrierte Kirschnote und verbindet die fruchtigen Komponenten miteinander.

Gleichzeitig sorgt er für mehr Tiefe als eine einfache Grenadine.

Deshalb würde ich hier nicht einfach irgendeinen Kirschlikör verwenden.

Wenn Du den Drink ernsthaft ausprobieren möchtest, ist Cherry Heering eine der Zutaten, bei denen sich die Verwendung des Originals lohnt.


4. Bénédictine

Der Bénédictine ist wahrscheinlich die Zutat, die man im fertigen Cocktail am wenigsten sofort identifiziert.

Genau das macht ihn aber interessant.

Er bringt Kräuter, Gewürze und eine gewisse Wärme in den Drink.

Ohne ihn wäre der Singapore Sling wesentlich stärker auf Frucht reduziert.


5. Grenadine

Die Grenadine sorgt für zusätzliche Süße und natürlich für die charakteristische Farbe.

Aber:

Sie sollte nicht zum Hauptgeschmack werden.

Deshalb reichen hier 7,5 ml.

Der Singapore Sling soll nach Gin, Kirsche, Ananas, Limette und Gewürzen schmecken – nicht nach Grenadine.


Die Geschichte des Singapore Sling

Von Singapur in die Welt

Der Singapore Sling ist eng mit dem Raffles Hotel in Singapur verbunden.

Als Erfinder gilt Ngiam Tong Boon, der Anfang des 20. Jahrhunderts als Barkeeper in der Long Bar des Raffles arbeitete.

Die häufig genannte Jahreszahl ist 1915. Die historische Quellenlage ist allerdings komplizierter, als die einfache Geschichte vom „erfundenen Cocktail im Jahr 1915“ vermuten lässt.

Denn das ursprüngliche Rezept ist nicht eindeutig überliefert. Frühere Sling- und Straits-Sling-Rezepte unterscheiden sich deutlich von der heute bekannten, fruchtigen Raffles-Version.

Raffles selbst schreibt die Entwicklung des Singapore Sling Ngiam Tong Boon zu und datiert sie auf 1915. Gleichzeitig weist das Hotel darauf hin, dass die heute bekannte Version nicht unbedingt identisch mit seiner ursprünglichen Kreation ist.

Ein Cocktail mit mehreren Rezepten

Das ist beim Singapore Sling besonders spannend.

Im Savoy Cocktail Book von 1930 findet sich beispielsweise ein Singapore Sling aus Gin, Cherry Brandy und Zitronensaft, der mit Soda aufgefüllt wird.

Der unmittelbar daneben aufgeführte Straits Sling enthält bereits Bénédictine und Bitters und ist damit wesentlich näher an dem Cocktail, den wir heute als Singapore Sling kennen.

Die heute bekannte Raffles-Rezeptur mit Ananassaft, Limette, Cointreau, Bénédictine, Grenadine und Angostura wurde erst später dokumentiert.


Das Raffles-Rezept

Die berühmte Alternative

Wer Singapore Sling sagt, meint häufig die Rezeptur, die heute mit dem Raffles Hotel verbunden wird.

Raffles selbst veröffentlicht aktuell folgende Version:

  • 30 ml Gin
  • 15 ml Kirschlikör
  • 120 ml frischer Ananassaft
  • 15 ml frischer Limettensaft
  • 7,5 ml Cointreau
  • 7,5 ml Bénédictine
  • 10 ml Grenadine
  • 1 Dash Angostura Bitters

Garnitur: Ananas und Kirsche.

Das ist ein deutlich fruchtigerer und längerer Drink als mein Rezept.

Auch andere aktuelle Rezepturen variieren: Cointreau führt beispielsweise eine Raffles-Version mit 30 ml Gin und 60 ml Ananassaft und verzichtet in dieser Darstellung auf Grenadine.

Das zeigt ganz gut, warum man beim Singapore Sling vorsichtig sein sollte, wenn irgendwo vom „originalen“ Rezept gesprochen wird.

Das eine, zweifelsfrei überlieferte Originalrezept gibt es schlicht nicht.


Ein Cocktail – mehrere Interpretationen

Warum ich bei meinem Rezept bleibe

Die Jim Meehan Version ist für mich deutlich ausgewogener als die sehr fruchtigen Varianten und zeigt besser, was der Singapore Sling sein kann:

ein komplexer Gin-Cocktail mit tropischer Frucht – und kein Fruchtpunsch mit Gin.

Die Raffles-Version gehört zur Geschichte des Drinks.


Wenn Dir der Singapore Sling gefällt …

🍍 Du magst fruchtige und tropische Cocktails?

Mai Tai
Rum, Limette, Orange und Mandel – komplexer und deutlich kräftiger.

Pineapple Daiquiri
Rum, Limette und Ananas in einer wesentlich schlankeren Kombination.

Daiquiri
Die puristischere Variante des Prinzips aus Spirituose, Zitrus und Süße.

🌿 Du magst die würzige Seite des Singapore Sling?

La Louisiane
Gin, Vermouth, Bénédictine und Bitters – deutlich weniger fruchtig, dafür würziger und komplexer.

Vieux Carré
Ein kräftiger Klassiker mit Whiskey, Cognac, Vermouth und Bénédictine.

Sazerac
Weniger Zutaten, dafür wesentlich trockener, kräftiger und spirituosenbetonter.

🍸 Du möchtest bei Gin bleiben?

Last Word
Gin, Chartreuse, Maraschino und Limette – kräuteriger, trockener und deutlich kompakter.

Martinez
Gin, Vermouth und Maraschino – würziger und weniger fruchtig.

Vesper
Gin und Wodka treffen auf Lillet – trockener, stärker und kompromissloser.


Mein Urteil

Singapore Sling

★★★★☆

Der Singapore Sling ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie sehr ein Cocktail von seiner Rezeptur abhängen kann.

In der falschen Version ist er ein süßer, roter Fruchtpunsch.

In der richtigen Version ist er ein erstaunlich komplexer Cocktail.

Gin.
Ananas.
Kirsche.
Limette.
Bénédictine.

Dazu etwas Orange, Gewürze und Süße.

Das klingt nach einer Menge Zutaten – und genau das ist es auch.

Aber sie haben jeweils eine Aufgabe.

Für mich funktioniert die Version von Jim Meehan deshalb besonders gut: Sie hält die Frucht im Zaum und lässt dem Gin genügend Raum.

Wer Singapore Sling bisher nur als kitschigen roten Longdrink kennt, sollte diese Version unbedingt einmal ausprobieren.


Cocktail Discovery

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Spirituose
GIN

Stil
CLASSIC · SLING · TROPICAL

Geschmack
FRUITY · TROPICAL · CITRUS · HERBAL

Intensität ★★★★☆

Süße ★★★☆☆

Säure ★★★☆☆

Frucht ★★★★★

Gelegenheit
SUMMER · LONG DRINK · AFTER WORK


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Dirk Wäscher – Trips, Food, Cocktails, Bars