Athen – Woche 2 – 17.05.2026-24.05.2026

Es gibt auch abseits der Ruinen einiges in Athen zu sehen, auch wenn man das im Vorfeld gar nicht so wahrnimmt. Ich hatte hier verschiedene geführte Touren gefunden, die einen zu Fotospots bringen sollten. Aber angesichts der ganzen Führungen, die ich schon mitgemacht habe, dacht e ich mir, das bekomme ich auch ohne bezahlten Guide hin. Und das ging dann auch tatsächlich gut. Angefangen beim Parlament und dem Grabmal des unbekannten Soldaten, über den Nationalgarten zum Panathenaiko Stadium und dann hoch in Richtung Anafiotika, dem Viertel, das so aussieht, als ob es auf den Inseln gebaut wurde. Von da dann wieder runter Richtung Plaka und der römischen Agora.

Und damit meine Beine sich erholen können, gabs dann erst einmal wieder drei Arbeitstage. Immer mit dem gleichen Rhythmus: aufstehen, Boiler anwerfen, währen der aufheizt erst einmal einkaufen gehen und dabei 100 Treppenstufen hoch und runter. Das geht immer besser. Und muss auch belohnt werden: nach dem dritten Arbeitstag in der Woche ist dann wieder Schluss und es geht ins Barro Negro, um die letzten Tage einzuläuten.

Agora

Da es in Athen viele Ruinen gibt, muss man sich überlegen, welche man sich anschauen möchte. Die Akropolis, klar. Aber dann? Da gibt es ja noch die alte griechische Agora und die auch alte, aber etwas jüngere römische Agora. Letztere ist deutlich kleiner und kompakter und man kann die komplett anschauen, wenn man aussen um sie herum läuft. Aus meiner Sicht also kein Grund, für die paar Steine und Säulen dann extra 10 € Eintritt zu zahlen.

Anders verhält es sich mit der griechischen Agora, der älteren. Denn die ist nicht nur einiges größer, sondern auf Grund ihrer Geschichte auch weitaus interessanter. Hier lebten und lehrten schließlich die alten Philosophen, über die man in der Schule immer wieder etwas zu hören bekommen hat. Wichtig ist, dass man da nicht nur durchläuft, sondern auch erzählt bekommt, was zu sehen ist. Das geht entweder mit einem lebendigen Guide oder aber so wie ich das gemacht habe: mit einem Audioguide. Und da hatte ich Glück, denn der war gut gemacht. Mit einer eigenen Karte, auf der man sehen konnte, wo man gerade war und einer dazu passenden Audiosteuerung. Wenn man den Anweisungen gefolgt ist, kann man sich dann den passenden Inhalt zu der Stelle anhören, an der man gerade ist. Und das hilft, sich vorzustellen, wie es hier gewesen sein könnte.

Am Beeindruckendsten ist dabei natürlich der Tempel des Hephaistos, der noch ziemlich komplett dasteht, sogar inklusive Dach – als einziges Dach, das hier noch aus der Antike existiert. Liegt wohl auch daran, dass das Gebäude später als Kirche verwendet wurde und niemand Lust hatte, dass einem der Himmel auf dem Kopf fiel. Den Abschluss eines Rundgangs in der Agora bildet dann die Stoa des Attalos. Ein restauriertes Gebäude, das als kleines Museum auf dem Gelände dient. Dort werden ein paar Dutzend der ausgegrabenen Gegenstände und Statuen ausgestellt und man erhält noch einmal eine Kurzzusammenfassung dessen, was man zuvor gesehen hat.

Souvlaki Kostas

Während ich an den Tagen, an denen ich gearbeitet habe, immer selbst gekocht habe, war an den anderen Tagen immer die Frage, wo ich essen gehen werde. Bei ein paar Bars wusste ich, dass sie Barfood haben. Aber sonst? Und vor allem, was ist mit dem Mittagessen? Es gibt in einer Stadt mit so vielen Touristen natürlich eine Menge an Schnellverpflegung. Die üblichen Fast Food Ketten sind vor Ort, aber auch eine ganze Reihe von Imbissen, in denen Souvlaki, Gyros und dergleichen angeboten wird. Einen, der gut aussah und in der Nähe meiner Laufwege war, hatte ich schon ausprobiert. Dort lag der Fokus dann vor allem auf einer Unmenge an Pommes auf dem Tablett. Und der Imbiss bei meiner Wohnung um die Ecke hatte zwar immer eine Menge zu tun, das Gyros war aber mau und die Pommes auch.

An einem der letzten Tage habe ich deshalb einen Umweg gemacht und Souvlaki Kostas besucht, der mir im Vorfeld der Reise hierher schon in Guides unter die Augen gekommen ist. Die erste Überraschung war: der hat nur über die Mittagszeit auf, Abends geschlossen. Dann ist dort eine Schlange vor dem Laden, dass man mit Sicherheit 45 Minuten warten muss, was man am Anfang aber noch gar nicht glaubt. Und warum ist die da? Weil dieser Imbiss allen Ernstes richtig gute Souvlaki Spieße macht. In die Pita kommt nur das Fleisch, Salat und etwas Tsatsiki, keine Pommes oder so ein Schmarrn. Dafür dann noch eine Menge Gewürze. Von daher also, wenn die Zeit da ist: Souvlaki Kostas besuchen.

Athen nach der Dämmerung

Viele Fotos in Athen Guides zeigen Athen bei Nacht. Die Ausgehviertel voll mit Touristen, viele Farben, der Ausblick über Athen in der Dämmerung oder Dunkelheit. Wenn man tagsüber unterwegs ist, ist vieles von dem, was man da sehen kann, ganz anders. Ich hatte bereits vor ein paar Tagen einen Rundgang auf eigene Faust zu Fuß gemacht und habe dabei vieles gesehen. Etwas mehr wollte ich aber noch und habe mich deshalb kurzfristig entschlossen, einen geführten Rundgang mit einem „Local“ zu machen. Also kein offizieller Guide, aber jemand, der einer Gruppe Touris mal die Dämmerung zeigt. Und dann sieht die Stadt anders aus. Auch hier sind wir durch die üblichen Viertel gelaufen, aber der Guide wusste natürlich, wo man am besten entlang gehen muss und hat uns zu guten Spots geführt. Dass wir dabei an den Touri-Kneipen vorbeikamen, in denen allerlei griechische Musik geträllert wurde, ist klar. Auch Sirtaki war zu hören, entsprechend hat er dann der Gruppe noch Sirtaki tanzen beigebracht. Hatte ich so auch noch nicht, gehört für ihn aber dazu. Auf jeden Fall mal zu empfehlen. Also der Rundgang, nicht der Sirtaki.

Nach zwei Touren am Tag davor waren meine Beine recht schwer, außerdem war Regen angesagt und ich habe einen Faulenzertag eingelegt. Einfach nur rumhängen. Und abends dann doch noch einmal raus ins Barreldier.

Gazi/Technopolis

Nicht in allen meinen Städtetrips habe ich es geschafft, etwas Streetart zu sehen, hier wollte ich das aber auf jeden Fall wieder machen. Mein Guide von der Fahrradtour hatte mir hierfür Gazi empfohlen. Der Stadtteil ist benannt der alten Stadtgas-Anlage, die dort zur Gaserzeugung stand. Deren Reste sind auch noch erhalten und können betrachtet werden, inklusive einem kleinen Museum, das leider gerade geschlossen war. Um die alten Gebäude herum wurde ein Kulturgelände eingerichtet, mit verschiedenen Bühnen für unterschiedliche Aufführungen.

Was nun die Streetart angeht, da verhält es sich hier, wie in manchen anderen Städten auch. Große Murals werden gerne gesehen, andere Formen nicht so gerne, denn das sieht ja eher schmutzig aus. Die Bandbreite, die ich aus anderen Städten gibt, habe ich hier nicht gesehen. Es scheint auch so, dass in den üblichen Touristenvierteln weniger etwas geduldet wird, dafür in den weiter draußen liegenden Vierteln umso mehr die Wände verziert bzw. verunstaltet werden.

Und dort, in Keramikos, Gazi etc., ist dann auch viel Farbe an den Wänden zu finden. Aber eben erst einmal groß und sichtbar als Murals. Wenn man dann in die Straßen daneben abbiegt, wird es eher kämpferisch oder rotzig. Und auch beliebig. Wenn eine Wand dann einfach nur mit ausgeblichenen Tags bemalt ist, bringt das keinen Applaus. Aber, auch das darf man nicht übersehen, die Gegend ändert sich. Es entstehen viele kleine Läden, Restaurants, Bars. Und die wiederum achten auf eine gute Gegend um sich herum. Wenn die so weitermachen, dann lebt die Ecke auf. Denn hier ist der Touristendruck bei weitem nicht so große wie in Plaka oder Psyri. Hier sitzen viele Einheimische und nicht so viele Tourimassen, ein ganz anderer Vibe. Und da ich nun schon in der Gegend war, bin ich noch zur Line Bar weitergezogen, die nicht weit entfernt war und auch den Ruf hat anders zu sein, was sich auch bewahrheitet hat.

Fazit

Das war es dann also, zwei Wochen Athen. Nach Rom und Prag das dritte Mal Work From Anywhere. Wieder mit einem 3 Tage arbeiten und dann 4 Tage frei Rhythmus. Den kann ich nur empfehlen, wenn man das schon macht. Kein Stress. Nicht beruflich, aber auch nicht in der Freizeit. Denn auch das kann einem die Zeit vermiesen, wenn man sich hier überplant. Deshalb: immer nur die wichtigsten Dinge machen und alles andere sein lassen. Zwischendrin auch mal einen Tag gar nichts machen. Das hats wieder gebracht.

Die Stadt selbst ist kein Erholungsheim. Sie ist laut, lauter als andere Städte. In den Touri-Bereichen aufgeräumt und sauber , besteht sie direkt daneben aus unebenen Wegen, vielen Mülltonnen (hier wird alles in großen Tonnen an der Straßenecke gesammelt) und auch Staub. Das bisschen Regen wäscht hier die Wege nicht sauber.

Was ich sicher nicht vermissen werde, ist der Verkehr. Chaotisch, laut, recht hat wer sich es nimmt. Fußgängerüberwege sind gefährliche Zonen. Wenigstens sind die meisten touristischen Zonen recht verkehrsfrei, so dass man nur hin und wieder eine Straße mit Autos überqueren muss. Ein Auto braucht man selbst nicht, auch nicht unbedingt ein Taxi, auch wenn die recht günstig sind. Am besten nimmt man für längere Strecken Metro, Tram oder Bus. Die Metro ist immer rappelvoll, aber immerhin, sie fährt zuverlässig. Als Tickets gibt es 90 Minuten Tickets (die teuerste Variante), Tagestickets, oder besser gleich 5-Tages Tickets für 9 Euro. Günstiger geht es nicht. Und wenn man zwei Wochen da bleibt, lohnt sich schon fast eine Monatskarte für 27 Euro, dann muss man wenigstens nicht mehr ans nachkaufen denken. Nur zum und vom Flughafen muss man noch ein extra Ticket kaufen.

95.000 Schritte waren es insgesamt über die Tage und 27,2 km mit dem Rad. Ansonsten hätte ich nicht gedacht, dass ich hier in Athen so viel Treppen hoch- und runtersteigen werde. Jeden Tag zum Supermarkt hin und zurück 100 Stufen hoch und runter. Dann in der Stadt vor allem wenn es näher an die Akropolis ging, auch in den Touri-Vierteln. Nach zwei Wochen schreckt mich das nicht mehr, da hilft das dauernde Wiederholen wohl doch. Aber ich freue mich auch wieder aufs Wege ohne Treppen.

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