Rum · Wermut · Grenadine · Angostura
Würzig. Herb. Fruchtig. Trocken. Ein ungewöhnlicher Rum-Cocktail mit einer ziemlich guten Geschichte.
Der Creole Scream ist kein Cocktail, über den man wahrscheinlich stolpert, wenn man einfach nach einem guten Rum-Drink sucht.
Ich bin auf ihn wegen „Die Zwei“ gestoßen.
In der ersten Folge der Serie geraten Lord Brett Sinclair und Danny Wilde darüber aneinander, ob nun eine oder zwei Oliven in einen Creole Scream gehören. Die Diskussion endet, wie Diskussionen bei diesen beiden Herren offenbar gerne enden: mit einer ziemlich gründlich zerlegten Hotelbar.
Das Rezept ist dagegen erstaunlich schlicht:
Weißer Rum.
Wermut.
Grenadine.
Angostura.
Und eine Olive. Oder eben zwei.
Das Interessante daran ist die Kombination. Auf den ersten Blick wirkt der Drink fast wie ein Martini, bei dem jemand den Gin gegen weißen Rum ausgetauscht hat. Genau das war auch mein Eindruck, als ich ihn zum ersten Mal ausprobiert habe.
Und überraschenderweise funktioniert es.
Der Rum bringt Wärme und eine leichte Süße, der Wermut sorgt für Kräuter und Würze, Grenadine gibt dem Drink Frucht und Farbe und Angostura verbindet alles miteinander.
Das Ergebnis ist kein süßer Rum-Cocktail, sondern ein aromatischer, würziger und eher trockener Drink, der deutlich näher an einem klassischen Shortdrink liegt als an einem tropischen Tiki-Cocktail.
FLAVOUR TAGS
HERBAL · SPICED · FRUITY · BITTERSWEET · AROMATIC · DRY
Cocktail-Charakter
Säure ●○○○○
Süße ●●○○○
Kräuter ●●●○○
Frucht ●●●○○
Alkohol ●●●●○
Komplexität ●●●●○
Stil: Rum Cocktail · Short Drink · Martini-Style
Spirituose: Rum
Gelegenheit: Aperitif · Abend · After Work

Creole Scream – Das Rezept
| Zutaten | Menge |
| weißer Rum, kubanischer Stil | 60 ml |
| weißer Wermut | 30 ml |
| Angostura Bitters | 2 Dashes |
| Grenadine | 1 Barlöffel |
| Olive | 1–2 |
| Eis | reichlich |
Zubereitung
Ein Rührglas mit reichlich Eis füllen.
Rum, Wermut, Angostura und Grenadine dazugeben.
Alles mit dem Barlöffel kalt rühren, bis der Drink gut gekühlt ist.
Anschließend in ein vorgekühltes Martiniglas abseihen.
Mit einer Olive garnieren.
Oder mit zwei.
Das ist beim Creole Scream schließlich keine ganz unwichtige Frage.
Garnitur
Grüne Olive
Und damit sind wir direkt bei einem der schönsten Details dieses Cocktails.
In „Die Zwei“ streiten Sinclair und Wilde darüber, ob eine oder zwei Oliven in den Drink gehören. Dein ursprünglicher Beitrag hält deshalb beide Varianten fest: eine Olive als britische Version, zwei Oliven als US-Version.
Wie schmeckt der Creole Scream?
Der erste Eindruck ist ungewöhnlich.
Nicht, weil der Drink besonders exotisch wäre – sondern weil man bei einem Cocktail mit weißem Rum zunächst etwas anderes erwartet.
Der Rum ist da, aber er steht nicht allein im Mittelpunkt.
Der Wermut bringt Kräuter, Würze und eine leichte Weinigkeit. Die Grenadine fügt eine dezente Fruchtnote und etwas Süße hinzu. Angostura bringt Bitterkeit und Gewürze ins Spiel.
Und dann kommt die Olive.
Sie funktioniert dabei fast wie ein kleines Gegengewicht zur Grenadine.
Der Drink bewegt sich geschmacklich ungefähr hier:
herb → würzig → fruchtig → trocken
Die Grenadine macht ihn nicht zu einem süßen Cocktail. Dafür ist der Anteil an Wermut und Bitters zu präsent.
Das Spannende ist vielmehr der Kontrast zwischen Rum und Wermut.
Der Rum macht den Drink weicher und wärmer als einen klassischen Martini, während der Wermut und die Bitters verhindern, dass er in Richtung eines süßen Rum-Cocktails abdriftet.
Das Flavor-Profil
CREOLE SCREAM
Fresh ●●○○○
Dry ●●●●○
Sweet ●●○○○
Sour ●○○○○
Herbal ●●●○○
Fruity ●●●○○
Boozy ●●●●○
Complex ●●●●○
Geschmacksschwerpunkt
| HERBAL | <──────●──────> | SPICED |
| DRY | <───●─────────> | SWEET |
| LIGHT | <──────●──────> | INTENSE |
| FRESH | <────────●────> | RICH |
Warum funktioniert dieser Cocktail?
1. Rum und Wermut
Das ist die eigentliche Idee des Creole Scream.
Weißer Rum ist normalerweise eher mit frischen, fruchtigen oder tropischen Cocktails verbunden. Hier wird er dagegen wie eine klassische Cocktailspirituose eingesetzt.
Der Wermut bringt genau das mit, was dem Rum sonst fehlen würde: Kräuter, Würze und Struktur.
Dadurch bekommt der Drink eine ganz andere Richtung.
2. Die Grenadine
Grenadine ist bei diesem Cocktail keine Einladung, möglichst viel Süße in das Glas zu kippen.
Im Gegenteil.
Schon ein Barlöffel reicht, um dem Drink Farbe und eine fruchtige Süße zu geben.
Mehr würde den Charakter des Creole Scream schnell verändern.
Der Cocktail soll nicht nach Grenadine schmecken.
Die Grenadine soll den Rum und den Wermut miteinander verbinden.
3. Angostura
Die zwei Dashes Angostura sind klein, aber wichtig.
Sie bringen Bitterkeit, Gewürze und zusätzliche aromatische Tiefe.
Ohne Bitters würde der Drink wahrscheinlich deutlich flacher wirken.
Gerade bei Cocktails mit wenigen Zutaten sind solche kleinen Mengen oft entscheidend.
4. Die Olive
Die Olive ist mehr als Dekoration.
Sie setzt einen salzigen, herzhaften Akzent gegen die Frucht und Süße der Grenadine.
Und sie macht aus dem Drink endgültig einen Cocktail, der sich eher an der klassischen Martini-Welt orientiert als an einem typischen Rum-Cocktail.
Ob eine oder zwei Oliven?
Das darf jeder selbst entscheiden.
Ich würde die Diskussion einfach weiterlaufen lassen.
5. Der Wermut
Ich verwende als Wermut einen Cocchi Americano. Er passt für mich einfach gut zu diesem Drink.
Andere verbreitete Rezeptangaben verwenden trockenen Wermut und teilweise andere Mengenverhältnisse.
Die Geschichte des Creole Scream
Der Vesper ist eine Erfindung von Ian Flemming und „Die Zwei“ stehen in nichts hinterher: dieser Drink ist auch eine Erfindung für diese Serie. Er wurde vom Drehbuchautor Brian Clemens erfunden!
Wenn Dir der Creole Scream gefällt …
🥃 Du magst Rum, aber möchtest etwas klassischer trinken?
→ El Presidente
Rum trifft auf Wermut und weitere aromatische Komponenten – ebenfalls ein klassischer Shortdrink.
→ Panama
Rum mit Orange, Kräutern und Würze.
→ Rum and Port
Noch reichhaltiger und wärmer.
🍍 Du möchtest Rum fruchtiger?
→ Daiquiri
Rum, Limette und Süße – deutlich frischer und direkter.
→ Pineapple Daiquiri
Wenn es zusätzlich tropisch und fruchtig werden darf.
→ Mai Tai
Die deutlich komplexere und tropischere Richtung.
🌿 Du magst aromatische, würzige Cocktails?
→ Last Word
Gin, Kräuter, Zitrus und eine deutlich intensivere Aromatik.
→ Tipperary Cocktail
Whiskey, Kräuter und Würze.
→ La Louisiane
Herbal, würzig und bittersüß.
Mein Urteil
Creole Scream
★★★★★
Der Creole Scream ist für mich genau die Sorte Cocktail, die man wahrscheinlich nicht ausprobieren würde, wenn man nur nach bekannten Rezepten sucht.
Und gerade deshalb lohnt er sich.
Weißer Rum.
Wermut.
Grenadine.
Angostura.
Olive.
Das klingt zunächst ein wenig zufällig.
Im Glas funktioniert es aber erstaunlich gut.
Der Drink ist trocken genug, um nicht wie ein süßer Rum-Cocktail zu wirken, gleichzeitig bringt die Grenadine eine kleine fruchtige Note hinein. Der Wermut gibt ihm Kräuter und Struktur, während Angostura und Olive für Würze und Kontrast sorgen.
Und natürlich bleibt die Frage:
Eine Olive oder zwei?
Ich finde, ein Cocktail mit einer solchen Geschichte darf diese Frage ruhig offenlassen.
Cocktail Discovery
ENTDECKE DEN CREOLE SCREAM
Spirituose
RUM
Stil
SHORT DRINK · MARTINI-STYLE · CLASSIC
Geschmack
HERBAL · SPICED · FRUITY · BITTERSWEET · DRY
Intensität ★★★★☆
Süße ★★☆☆☆
Säure ★☆☆☆☆
Kräuter ★★★☆☆
Gelegenheit APERITIF · ABEND · AFTER WORK
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