Gin · Dubonnet · Zitrone
Bitter. Aromatisch. Trocken. Elegant. Ein klassischer Aperitif mit erstaunlich wenig Zutaten.
Der Dubonnet Cocktail ist einer dieser Drinks, die zunächst fast zu einfach aussehen.
Gin und Dubonnet.
Mehr braucht es in der klassischen Version eigentlich nicht.
Und trotzdem entsteht daraus kein einfacher Gin-Mix, sondern ein erstaunlich komplexer Aperitif: Der Gin bringt Wacholder und trockene Botanicals, während der rote Dubonnet mit Kräutern, Gewürzen, Frucht und einer charakteristischen bitteren Note für Tiefe sorgt.
Das Ergebnis ist ein Cocktail, der deutlich weniger säurebetont ist als ein Sour und wesentlich trockener wirkt als viele moderne Aperitifs.
Aromatisch. Bitter. Weiniger. Kräuterig.
Und vielleicht ist genau diese Zurückhaltung das Interessante am Dubonnet Cocktail.
Die Kombination aus Dubonnet und Gin ist bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Eine der heute bekanntesten Rezepturen findet sich 1930 im Savoy Cocktail Book: gleiche Teile Dubonnet und Dry Gin, gerührt und in ein Cocktailglas abgeseiht.
FLAVOUR TAGS
BITTER · HERBAL · DRY · BOTANICAL · WINEY · AROMATIC
Cocktail-Charakter
Säure ●●○○○
Süße ●●●○○
Kräuter ●●●●○
Frucht ●●●○○
Alkohol ●●●●○
Komplexität ●●●●○
Stil: Classic · Aperitif · Stirred
Spirituose: Gin
Gelegenheit: Aperitif · Before Dinner · Barabend

Dubonnet Cocktail – Das Rezept
| Zutaten | Menge |
| Dry Gin | 30 ml |
| Dubonnet Rouge | 30 ml |
| Eis | reichlich |
Optional: 1 Dash Orange Bitters
Zubereitung
Ein Cocktail- oder Nick-&-Nora-Glas gut vorkühlen.
Gin und Dubonnet in ein mit Eis gefülltes Rührglas geben.
Optional einen Dash Orange Bitters hinzufügen.
Mit dem Barlöffel etwa 20–30 Sekunden kalt rühren.
In das vorgekühlte Glas abseihen.
Eine dünne Zitronenzeste über dem Drink ausdrücken und entweder auflegen oder den Drink ohne Garnitur servieren.
Die klassische Rezeptur kommt tatsächlich mit gleichen Teilen Gin und Dubonnet aus. Historische und moderne Quellen zeigen allerdings auch Varianten mit einem höheren Dubonnet-Anteil sowie unterschiedlichen Garnituren.
Garnitur
Zitronenzeste
Die Zitronenzeste ist für mich die beste Wahl, weil sie dem eher dunklen, würzigen Charakter des Drinks einen frischen aromatischen Akzent entgegensetzt.
Eine Orangenzeste funktioniert ebenfalls hervorragend und bringt den Cocktail etwas stärker in Richtung süßer, runder Zitrusaromatik.
TIPP
Der Dubonnet Cocktail lebt von der Temperatur.
Da der Drink weder durch Zitronensaft noch durch Soda verlängert wird, entscheidet die richtige Kühlung wesentlich über das Ergebnis.
Das Rührglas sollte gut mit Eis gefüllt sein und der Cocktail ausreichend lange gerührt werden.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Wasser in den Drink zu bringen.
Der Dubonnet Cocktail soll kalt und seidig, aber nicht dünn schmecken.
Wie schmeckt der Dubonnet Cocktail?
Der erste Eindruck ist ungewöhnlich weich für einen Gin-Cocktail.
Keine aggressive Säure.
Keine deutliche Zuckersüße.
Stattdessen kommen zunächst die würzigen und kräuterigen Noten des Dubonnet, gefolgt von Wacholder und den Botanicals des Gins.
Im Hintergrund liegt eine leichte Fruchtigkeit, dazu kommt eine charakteristische Bitternote.
Der Drink bewegt sich deshalb irgendwo zwischen Wein, Kräuterlikör und klassischem Gin-Cocktail.
Das Spannende ist die Balance:
bitter · würzig · fruchtig · trocken
Der Dubonnet bringt die aromatische Tiefe.
Der Gin bringt Struktur.
Die Zitruszeste setzt am Ende einen kleinen frischen Akzent.
Und genau dadurch wirkt der Drink deutlich komplexer, als die Zutatenliste vermuten lässt.
Der Dubonnet Cocktail ist deshalb kein Cocktail, den ich jemandem empfehlen würde, der ausschließlich fruchtige oder saure Drinks mag.
Wer dagegen Martinez, Manhattan oder andere aromatische Stirred Cocktails mag, dürfte hier ziemlich schnell zu Hause sein.
Das Flavor-Profil
DUBONNET COCKTAIL
Fresh ●●●○○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●○○
Sour ●●○○○
Herbal ●●●●○
Fruity ●●●○○
Boozy ●●●●○
Complex ●●●●○
Geschmacksschwerpunkt
| HERBAL | <─────────●───> | CITRUS |
| DRY | <──────●──────> | SWEET |
| LIGHT | <────────●────> | INTENSE |
Der Dubonnet Cocktail sitzt damit ziemlich genau in dem Bereich, den ich bei einem guten Aperitif interessant finde:
aromatisch, aber nicht schwer; bitter, aber nicht aggressiv; süß genug für Balance, aber nicht süß.
Warum ich den Dubonnet Cocktail mag
Der Dubonnet Cocktail ist kein Drink, der sich über eine spektakuläre Zutatenliste verkauft.
Im Gegenteil.
Gin.
Dubonnet.
Eis.
Fertig.
Bei vielen Cocktails ist man inzwischen daran gewöhnt, dass zehn Zutaten und drei verschiedene Techniken notwendig sind, um einen interessanten Drink zu bekommen.
Der Dubonnet Cocktail macht das Gegenteil.
Er zeigt ziemlich gut, was passiert, wenn zwei aromatisch eigenständige Zutaten einfach miteinander arbeiten dürfen.
Der Dubonnet ist dabei nicht bloß ein süßer Vermouth-Ersatz.
Er bringt seine eigene Persönlichkeit mit: Kräuter, Gewürze, Frucht und Bitterkeit.
Der Gin setzt darauf Wacholder und weitere Botanicals.
Das Ergebnis ist ein Cocktail, der eher aromatisch als erfrischend funktioniert.
Warum funktioniert dieser Cocktail?
1. Gin und Dubonnet
Die Kombination funktioniert vor allem deshalb, weil beide Zutaten bereits eine eigene aromatische Welt mitbringen.
Der Gin liefert trockene Wacholdernoten und Botanicals.
Der Dubonnet bringt dagegen eine weinige, würzige und leicht bittere Ebene hinzu.
Beide Zutaten konkurrieren nicht unbedingt miteinander.
Sie ergänzen sich.
Der Gin macht den Dubonnet trockener und strukturierter.
Der Dubonnet macht den Gin runder und aromatischer.
2. Die Bitterkeit
Die Bitterkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Charakters.
Dubonnet basiert auf einem aromatisierten Wein und enthält unter anderem Chinarinde; genau diese bitteren Noten gehören zu seiner charakteristischen Aromatik.
Im Cocktail sorgt diese Bitterkeit dafür, dass die vorhandene Süße nicht klebrig wirkt.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Der Drink soll nicht süß schmecken.
Die Süße soll vielmehr die Bitterkeit abrunden.
3. Das Verhältnis
Ich würde für diese Version mit 1:1 arbeiten.
30 ml Gin.
30 ml Dubonnet.
Das entspricht der bekannten Savoy-Rezeptur und macht den Cocktail besonders einfach zu merken.
Es gibt allerdings historische Varianten mit einem höheren Dubonnet-Anteil, etwa 2:1 zugunsten des Dubonnet.
Das verändert den Drink deutlich:
mehr Dubonnet → weicher, weiniger, süßer
mehr Gin → trockener, kräftiger, wacholderbetonter
Für den klassischen Cocktail würde ich trotzdem bei 1:1 bleiben.
4. Die Zitruszeste
Die Zitruszeste ist keine Nebensache.
Der Drink enthält keinen Zitronen- oder Limettensaft. Deshalb kann ein wenig Zitrusöl aus der Zeste genau den frischen Kontrast liefern, den der Drink braucht.
Zitrone wirkt dabei trockener und präziser.
Orange macht den Cocktail etwas runder und süßer.
Historische Rezepturen und spätere Varianten verwenden sowohl Zitronen- als auch Orangenzesten.
5. Orange Bitters – ja oder nein?
Historische Rezepturen enthalten teilweise Orange Bitters, während die berühmte Savoy-Version schlicht aus Dubonnet und Dry Gin besteht.
Meine bevorzugte Version würde zunächst ohne Bitters auskommen.
Der Dubonnet hat bereits genügend eigene Aromatik.
Ein Dash Orange Bitters kann aber interessant sein, wenn man den Cocktail etwas trockener, würziger und zitrischer gestalten möchte.
Die Geschichte des Dubonnet Cocktails
Von New York über das Savoy bis zur britischen Königsfamilie
Die Geschichte des Dubonnet Cocktails ist interessanter, als sein schlichtes Rezept zunächst vermuten lässt.
Die Kombination aus Dubonnet und Gin taucht bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in New York auf. Die Quellenlage ist dabei allerdings nicht ganz so eindeutig, wie es manche Cocktailgeschichten suggerieren. Der Oxford Companion to Spirits & Cocktails ordnet die Gin-Dubonnet-Version in die New Yorker Cocktailkultur der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts ein.
1900er Jahre – New York
Gin und Dubonnet erscheinen in verschiedenen frühen Cocktailrezepturen und unter unterschiedlichen Bezeichnungen.
1910er Jahre – Der Drink wird populär
Die Kombination verbreitet sich sowohl in den USA als auch in Europa.
1930 – The Savoy Cocktail Book
Harry Craddock veröffentlicht den Dubonnet Cocktail mit gleichen Teilen Dubonnet und Dry Gin:
½ Dubonnet · ½ Dry Gin
Gerührt und in ein Cocktailglas abgeseiht.
Später – Der Klassiker gerät etwas in Vergessenheit
Während viele andere klassische Cocktails in der Cocktail-Renaissance wiederentdeckt wurden, blieb der Dubonnet Cocktail eher ein Geheimtipp.
Den wiederum haben sich die Queen und die Queen Mum zu Herzen genommen und ihre jeweiligen Versionen zum täglichen Ritual gemacht.
Ein Cocktail – mehrere historische Rezepturen
Beim Dubonnet Cocktail lohnt sich ein Blick auf die Rezeptgeschichte besonders.
Denn obwohl die heutige Version denkbar einfach ist, gab es verschiedene Verhältnisse.
1:1 – 30 ml Gin · 30 ml Dubonnet
Die klare klassische Variante. Die Queen Mum Version
1:2 – 30 ml Gin · 60 ml Dubonnet
Deutlich weicher und stärker vom Dubonnet geprägt. Die Queen Version.
Mit Orange Bitters
Gin · Dubonnet · Orange Bitters
Würziger und etwas trockener.
Für meinen Cocktail würde ich trotzdem die 1:1-Version als Ausgangspunkt wählen.
Wenn Dir der Dubonnet Cocktail gefällt …
🌿 Du magst aromatische, kräuterige Cocktails?
→ Last Word
Gin, Chartreuse, Maraschino und Limette – deutlich saurer und intensiver, aber mit einer ähnlichen Liebe zu Kräutern und Botanicals.
→ Beuser & Angus Special
Noch stärker auf Kräuter und Chartreuse ausgerichtet und deutlich komplexer.
→ Tipperary
Whiskey, Chartreuse und Vermouth – würziger, wärmer und wesentlich kräftiger.
→ La Louisiane
Ein weiterer klassischer Stirred Cocktail, bei dem Kräuter, Bitterkeit und Würze eine wichtige Rolle spielen.
🍸 Du möchtest noch mehr klassische Gin-Cocktails?
→ Martinez
Der vielleicht naheliegendste nächste Schritt: Gin, aromatisierter Wein und Süße – aber wesentlich komplexer und historisch noch stärker mit der Entwicklung des klassischen Cocktails verbunden.
→ Vesper
Trockener, stärker und kompromissloser.
→ Last Word
Wenn der Dubonnet Cocktail zu weich und zu wenig säuerlich ist, bringt der Last Word deutlich mehr Druck ins Glas.
🥃 Du magst den weinigen, würzigen Charakter?
→ Manhattan
Whiskey statt Gin und Vermouth statt Dubonnet – dunkler, trockener und kräftiger.
→ Vieux Carré
Noch komplexer, würziger und deutlich größer im Geschmack.
→ Remember the Maine
Whiskey, Vermouth und Kirschlikör ergeben einen dunklen, aromatischen Klassiker.
Mein Urteil
Dubonnet Cocktail
★★★★☆
Der Dubonnet Cocktail ist kein Cocktail, der sich in den Vordergrund drängt.
Und genau das ist seine Stärke.
Gin und Dubonnet.
Zwei Zutaten.
Gerührt.
Kalt serviert.
Fertig.
Aber hinter dieser Einfachheit steckt erstaunlich viel Aromatik.
Der Dubonnet bringt Kräuter, Würze, Frucht und Bitterkeit.
Der Gin bringt Wacholder und Struktur.
Die Zitruszeste setzt einen kleinen frischen Kontrapunkt.
Für mich ist der Dubonnet Cocktail deshalb vor allem ein Aperitif für Menschen, die keine Lust auf einen süßen Aperitif haben.
Er ist nicht sauer wie ein Daiquiri.
Nicht so trocken wie ein Vesper.
Nicht so schwer wie ein Manhattan.
Und nicht so komplex wie ein Vieux Carré.
Er sitzt irgendwo dazwischen.
Elegant. Bitter. Aromatisch. Und angenehm unaufgeregt.
Cocktail Discovery
ENTDECKE DEN DUBONNET COCKTAIL
Spirituose
GIN
Stil
CLASSIC · APERITIF · STIRRED
Geschmack
BITTER · HERBAL · DRY · BOTANICAL
Intensität ★★★★☆
Süße ★★★☆☆
Säure ★★☆☆☆
Kräuter ★★★★☆
Gelegenheit
APERITIF · BEFORE DINNER · BARABEND
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