High Octane Cocktail

High Octane – Cocktail – Rezept

Rum · Wermut · Orange · Rauch · Schokolade

Kräftig. Rauchig. Dunkel. Aromatisch. Ein Cocktail, der wesentlich mehr nach Whisky aussieht, als tatsächlich darin steckt.

Der High Octane ist kein Cocktail für den ersten Drink des Abends.

Zumindest würde ich ihn dafür nicht unbedingt auswählen.

40 Milliliter Rum, ebenso viel süßer Wermut, Grand Marnier, ein kleiner Schuss rauchiger Islay-Whisky und zwei verschiedene Bitters – auf dem Papier klingt das zunächst nach einer ziemlich wilden Kombination.

Im Glas funktioniert sie allerdings gut.

Der Rum bildet die runde, leicht süße Basis. Der Wermut bringt Würze und Kräuter. Grand Marnier sorgt für Orange und zusätzliche Tiefe. Dazu kommt Laphroaig, der mit nur 10 Millilitern trotzdem deutlich seine Spuren hinterlässt.

Und dann sind da noch die Chocolate Bitters.

Das Ergebnis ist ein Cocktail, der mich erstaunlich stark an einen Whiskey-lastigen Drink erinnert.

Rauchig, würzig, leicht bitter, mit dunklen Schokoladennoten und einer warmen Orangensüße.

Dabei besteht die eigentliche Basis gar nicht aus Whisky.


FLAVOUR TAGS

SMOKY · RICH · SPICED · ORANGE · CHOCOLATE · HERBAL · BOOZY

Cocktail-Charakter

Säure ●○○○○
Süße ●●●○○
Kräuter ●●●●○
Frucht ●●●○○
Rauch ●●●●●
Alkohol ●●●●●
Komplexität ●●●●●

Stil: Modern Classic · Spirit-Forward · Stirred
Spirituose: Rum
Gelegenheit: After Dinner · Nacht · Whisky-Liebhaber · Winterabend


High Octane Cocktail
High Octane Cocktail

High Octane Cocktail – Das Rezept

ZutatenMenge
Don Pancho Origenes 8 Year Rum40 ml
Cocchi Torino Sweet Vermouth40 ml
Grand Marnier25 ml
Laphroaig 10 Year Old10 ml
Angostura Bitters2 Dashes
Bitter Truth Chocolate Bitters2 Dashes
Eisreichlich

Zubereitung

Ein Tumbler beziehungsweise Rocks Glass vorkühlen.

Rum, süßen Wermut, Grand Marnier und Laphroaig zusammen mit Angostura und Chocolate Bitters in ein mit Eis gefülltes Rührglas geben.

Etwa 20–30 Sekunden kalt rühren.

Anschließend in den vorbereiteten Tumbler auf einen großen Eiswürfel abseihen.


Garnitur

Keine komplizierte Garnitur nötig.

Ich würde den High Octane entweder komplett ohne Garnitur servieren oder mit einer Orangenzeste arbeiten.

Wenn Du den Drink möglichst nah am Ursprung bauen möchtest, funktioniert die puristische Variante:

großer Eiswürfel – keine weitere Garnitur.


Wie schmeckt der High Octane?

Der erste Eindruck ist überraschend.

Nicht unbedingt Rum.

Nicht unbedingt Orange.

Sondern Rauch.

Der Laphroaig ist zwar mengenmäßig nur ein kleiner Teil des Cocktails, aromatisch übernimmt er aber sofort eine wichtige Rolle.

Dahinter kommen dunklere und wärmere Noten.

Der süße Wermut bringt Kräuter, Gewürze und eine leicht weinige Tiefe. Grand Marnier setzt einen deutlichen Orangenakzent. Der Rum sorgt dafür, dass das Ganze nicht zu trocken oder zu aggressiv wird.

Und dann kommt die Schokolade.

Nicht als süßer Schokoladencocktail, sondern eher als dunkle, bittere Kakaonote im Hintergrund.

Genau diese Kombination macht den Drink so spannend:

rauchig → würzig → orange → schokoladig → warm

Der High Octane ist dabei definitiv kein leichter Cocktail.

Er ist dicht, aromatisch und alkoholisch.

Aber gerade weil die einzelnen Zutaten nicht einfach nebeneinander stehen, sondern sich gegenseitig verändern, macht es Spaß, ihn langsam zu trinken.


Das Flavor-Profil

HIGH OCTANE

Fresh ●●○○○
Dry ●●●○○
Sweet ●●●○○
Sour ●○○○○
Herbal ●●●●○
Fruity ●●●○○
Smoky ●●●●●
Boozy ●●●●●
Complex ●●●●●

Geschmacksschwerpunkt

SMOKY <───────●─────>RICH
DRY <─────●──────>SWEET
LIGHT<───────────●─>INTENSE
FRESH <───────────●─>RICH

Warum ich den High Octane mag

Als ich den High Octane zum ersten Mal für den Blog gemacht habe, war das eigentlich schon eine etwas merkwürdige Ausgangssituation.

Ich hatte den Drink bei Employee’s Only in New York nicht einmal selbst getrunken.

Die Bar hatte mir damals trotzdem so gut gefallen, dass ich den Cocktail zu Hause unbedingt ausprobieren wollte. Und schon beim ersten Versuch war die Reaktion ziemlich eindeutig: Das funktioniert.

Was mich dabei besonders überrascht hat, war der Geschmack.

Der High Octane schmeckt erstaunlich stark nach einem Cocktail, bei dem wesentlich mehr rauchiger Whisky und dunkle Aromen im Spiel sind.

Dabei sind es gerade einmal 10 Milliliter Laphroaig.

Der Rest kommt aus Rum, Wermut, Orange und Bitters.

Und genau deshalb ist der Drink für mich interessanter als ein Cocktail, der einfach nur möglichst viel Alkohol und möglichst viele intensive Zutaten kombiniert.

Er zeigt, was passiert, wenn man Zutaten miteinander kombiniert, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammengehören.

Rum und süßer Wermut geben ihm seine runde Basis.

Der Laphroaig bringt den Rauch.

Grand Marnier liefert Orange.

Und die Chocolate Bitters legen eine dunkle, fast kakaoartige Schicht darüber.

Das Ergebnis schmeckt größer als die Summe seiner Zutaten.


Warum funktioniert dieser Cocktail?

1. Rum und Wermut

Die eigentliche Basis des High Octane ist überraschend weich.

40 Milliliter Rum treffen auf 40 Milliliter süßen Wermut.

Das sorgt für eine runde, aromatische Grundlage, die deutlich weniger aggressiv ist, als man angesichts des Namens vielleicht erwarten würde.

Der Rum bringt Wärme und leichte Süße.

Der Wermut ergänzt Kräuter, Gewürze und eine weinige Tiefe.

Damit ist bereits eine erstaunlich komplexe Basis vorhanden.


2. Der Rauch

Dann kommt der Laphroaig.

Nur 10 Milliliter.

Und trotzdem verändert er den gesamten Cocktail.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie stark eine kleine Menge einer sehr aromatischen Zutat einen Drink prägen kann.

Der Whisky soll hier nicht die Basis bilden.

Er soll Akzent sein.

Zu viel davon würde die anderen Zutaten schnell überdecken.

In dieser Dosierung verbindet er sich dagegen mit den dunklen und würzigen Aromen des Cocktails.


3. Grand Marnier

Grand Marnier könnte in diesem Drink zunächst wie eine ungewöhnliche Wahl wirken.

Tatsächlich erfüllt er gleich mehrere Aufgaben.

Er bringt Orange.

Er bringt Süße.

Und er verbindet die kräftigen Spirituosen miteinander.

Dadurch wirkt der High Octane weniger kantig.

Die Orange ist dabei nicht die frische, helle Zitrusnote eines Daiquiri.

Sie ist deutlich dunkler und wärmer.

Eher Orangenschale als Zitronensaft.


4. Chocolate Bitters

Die Chocolate Bitters sind wahrscheinlich die interessanteste Zutat des Drinks.

Sie machen aus einem ohnehin schon würzigen Cocktail etwas deutlich Dunkleres.

Dabei soll der High Octane nicht nach Schokolade schmecken.

Die Bitters funktionieren eher wie ein Gewürz.

Ein paar Dashes reichen aus, um die vorhandenen Aromen miteinander zu verbinden.

Gerade zusammen mit dem Rauch des Laphroaig entsteht dadurch dieser Eindruck von dunkler Schokolade, gerösteten Aromen und Rauch.


5. Angostura

Angostura übernimmt die klassische Aufgabe eines Aromatikers.

Er bringt zusätzliche Würze und Bitterkeit und hilft dabei, die Süße von Wermut und Grand Marnier einzufangen.

Ohne ihn wäre der Drink vermutlich deutlich süßer und etwas flacher.

Zusammen mit den Chocolate Bitters entsteht dagegen eine deutlich tiefere Aromatik.


Die Geschichte des High Octane

Ein Drink aus der New Yorker Barwelt

Die persönliche Geschichte hinter meinem High Octane ist interessanter als eine vermeintlich große Cocktailhistorie.

Ich habe den Drink mit Employee’s Only in New York verbunden, einer Bar, die mir auf meiner New-York-Reise besonders gut gefallen hat. Dort interessierte mich vor allem die Mischung aus klassischen Drinks und kreativeren Kombinationen.

Ich habe den High Octane dort selbst nicht getrunken – ich habe ihn später zu Hause nachgebaut.

Und das ist für mich die Geschichte für diesen Cocktail.

Denn der High Octane ist kein Drink, bei dem man nach drei Zutaten sofort weiß, wie er schmecken wird. Und wenn er so gut wird, wenn ich ihn mache – wie muss dann erst das Original sein?


Was macht den High Octane besonders?

Der Name verspricht einen ziemlich heftigen Drink.

Und alkoholisch ist er tatsächlich.

Aber die eigentliche Stärke liegt nicht einfach in der Menge Alkohol.

Sie liegt in der Aromadichte.

Rum.

Wermut.

Orange.

Rauch.

Schokolade.

Bitterkeit.

Das sind viele unterschiedliche Richtungen, die hier erstaunlich gut zusammenfinden.

Der High Octane ist deshalb ein Cocktail, bei dem ich beim ersten Schluck nicht unbedingt sagen würde:

„Ah, das ist Rum.“

Viel eher:

„Was ist das eigentlich?“


Ein Cocktail – viele Möglichkeiten

High Octane mit anderem Rum

Mein Rezept hier setzt bewusst auf den Don Pancho Origenes 8 Year Rum.

Ich würde deshalb nicht einfach irgendeinen weißen oder sehr leichten Rum einsetzen.

Interessanter sind gereifte, charaktervolle Rums mit genügend Körper.

Je kräftiger und dunkler der Rum, desto stärker verschiebt sich der Cocktail in Richtung würzig, dunkel und schwer.


High Octane mit anderem Rauchwhisky

Auch beim Laphroaig würde ich nicht völlig beliebig werden.

Die rauchige Komponente ist ein wesentlicher Bestandteil der Idee.

Ein anderer Islay-Whisky kann funktionieren, verändert den Charakter aber.

Ein weniger rauchiger Whisky macht den Drink zugänglicher.

Ein stark torfiger Whisky macht ihn deutlich kompromissloser.

Die 10 ml würde ich dabei zunächst nicht erhöhen.

Der Rauch soll den Drink prägen – nicht dominieren.


Wenn Dir der High Octane gefällt …

🥃 Du magst kräftige, komplexe Cocktails?

→ Vieux Carré

Whiskey, Cognac, süßer Wermut und Kräuterlikör – ebenfalls ein Drink, bei dem viele aromatische Ebenen ineinandergreifen.

→ Manhattan

Weniger experimentell, aber ähnlich spirit-forward: Whiskey, süßer Wermut und Bitters ergeben einen klassischen, dunklen Cocktail.

🔥 Du magst Rauch und intensive Aromen?

→ Sazerac

Trockener und deutlich fokussierter, aber ebenfalls ein Cocktail für Freunde kräftiger Aromen.

→ Improved Whiskey Cocktail

Wenn Du die Kombination aus Spirituose, Süße, Bitters und aromatischem Akzent weiterverfolgen möchtest.

🍊 Du magst Orange und dunklere Cocktails?

→ Manhattan

Die würzige Wermutbasis macht ihn zu einem natürlichen nächsten Schritt.

→ Martinez

Etwas weicher und aromatischer, mit stärkerem Fokus auf Gin, Wermut und klassische Cocktailaromatik.

🥃 Du willst einen Rum-Cocktail mit mehr Tiefe?

→ Rum and Port

Ein guter nächster Schritt, wenn Dich am High Octane vor allem die dunklere, schwere Seite des Rums interessiert.

→ El Presidente

Deutlich eleganter und leichter, aber ebenfalls ein Rum-Cocktail, bei dem Wermut und aromatische Zutaten eine wichtige Rolle spielen.


Mein Urteil

High Octane

★★★★★

Ein ungewöhnlicher Cocktail, der auf dem Papier zunächst etwas überladen wirkt und im Glas erstaunlich gut funktioniert.

Der High Octane lebt von Gegensätzen:

Rum und Rauch.
Orange und Schokolade.
Süße und Bitterkeit.
Wärme und Würze.

Besonders gefällt mir, dass der Laphroaig nicht einfach als Whisky-Basis eingesetzt wird.

Er ist vielmehr ein aromatischer Verstärker.

Genau dadurch entsteht dieser etwas verrückte Effekt, dass der Cocktail deutlich stärker nach einem rauchigen Whiskey-Drink schmeckt, als seine Zutatenliste eigentlich vermuten lässt.

Für mich ist der High Octane deshalb kein Cocktail für jeden Abend.

Aber wenn Du Lust auf einen intensiven, dunklen und ungewöhnlichen Drink hast, solltest Du ihn unbedingt ausprobieren.

Und wenn Du ihn machst, würde ich bei den Zutaten nicht anfangen zu improvisieren.

Dieser Cocktail ist einer der Fälle, bei denen die Details tatsächlich wichtig sind.


Cocktail Discovery

ENTDECKE DEN HIGH OCTANE

Spirituose
RUM

Stil
MODERN CLASSIC · SPIRIT-FORWARD · STIRRED

Geschmack
SMOKY · RICH · SPICED · ORANGE · CHOCOLATE

Intensität ★★★★★
Süße ★★★☆☆
Rauch ★★★★★
Alkohol ★★★★★

Gelegenheit
AFTER DINNER · NIGHT · WINTER


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Dirk Wäscher – Trips, Food, Cocktails, Bars